Hansi Hocheder fährt seit seinem 15. Lebensjahr Roller. „Die Vespa hat mich seit jeher fasziniert“, erinnert er sich. „Es war immer klar, dass ich mir früher oder später eine kaufen würde.“ Heute besitzt er zwei: eine Vespa 50 S und eine Vespa 50 R. Und der 29-Jährige aus Teisendorf im Berchtesgadener Land will nicht ausschließen, dass es dabei bleibt. „Mittlerweile habe ich auch schon meinen Vater und meinen Schwager mit dem Vespa-Fieber angesteckt“, sagt er und schmunzelt. Selbst seine knapp zwei Jahre alte Tochter besitzt bereits ein Kinder-Modell.
Für Hocheder ist die Vespa viel mehr als ein gewöhnlicher Roller. „Sie verkörpert einen gewissen Lebensstil, der von Lässigkeit geprägt ist und Stress und Hektik vergessen lässt“, sagt er. Dolce Vita eben. „In einer so schnelllebigen Zeit den Motor starten und fahren, wohin man will – das ist Entschleunigung.“ Idealerweise macht Hocheder das mit Gleichgesinnten. Deshalb hat er über Facebook vor Kurzem eine Gruppe für Vespa-Liebhaber im Berchtesgadener Land gegründet. „Auf der ganzen Welt gibt es tausende Vespa-Clubs, aber bei uns sah es bisher mau aus“, sagt er. „Mit mehreren Vespa-Leuten wegzufahren, macht natürlich immer mehr Spaß, als nur zu zweit oder zu dritt durch die Gegend zu tuckern.“ Die Resonanz auf seinen Aufruf war gut, aktuell hat die Gruppe über 80 Mitglieder. Und wenn es nach Hansi Hocheder geht, könnten es noch mehr werden. „Jeder, der eine Vespa besitzt, kann spontan beitreten und mit uns zusammen die Ausfahrten genießen.“ Die Ausfahrten der Gruppe führen quer durch Bayern. Natürlich sind auch Oldtimer-Treffen beliebte Ziele.
Die Mitglieder der Gruppe besitzen Vespas verschiedener Generationen und Baujahre – von 1955 bis heute. Egal ob Oldtimer oder neuere Modelle: Die Vespa-Fahrer, die man liebevoll auch Vespisti nennt, ticken zum größten Teil alle gleich, erklärt Hocheder. Auch Sammler gibt es in der Gruppe. Es sei nicht außergewöhnlich, dass eine Vespa einen durch das gesamte Leben begleite. „Der Trend geht aber eher zur Zweit- oder Drittvespa“, sagt er. „Fest steht: Wenn einen mal das Fieber gepackt hat, kann man nicht mehr aufhören.“ KILIAN PFEIFFER