Hitze lässt Bayerns Fische sterben

von Redaktion

Wassertemperatur über 22 Grad bedeutet Stress für heimische Arten

München – Fische schwitzen nicht. Die Hitze wird für sie zur Zeit aber zur Gefahr. „Warme Temperaturen allein sind nicht das Problem – aber eben die Kombination mit der Trockenheit“, sagt Johannes Schnell, Leiter des Referats für Fischerei, Gewässer und Naturschutz beim Bayerischen Fischereiverband. „Die Isar, aber auch Stauseen, wie der Ismaniger Speichersee, sind dann riesige Solarkollektoren. Die Sonne knallt auf die Oberfläche und das Wasser speichert die Wärme bei Niedrigwasser lange.“ Eine Tortur für die heimischen kälteliebenden Fischarten.

Besonders betroffen sind etwa Bachforellen, Saiblinge, Äschen und Huchen. „Für Salmoniden wie sie bedeutet das aktuelle Zusammenspiel aus Hitze und Niedrigwasser Dauerstress“, sagt Schnell. Und die Folgen seien mit einem Hitzschlag, schlimmstenfalls mit Kreislaufkollaps und Tod, beim Menschen vergleichbar.

Das Problem: „Bei hohen Temperaturen sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser.“ Die Fische müssen ihren Stoffwechsel massiv nach oben kurbeln und daher viel mehr fressen, um entsprechend schneller atmen zu können.

„Bis zu einem gewissen Grad können die Fische den Temperaturanstieg tolerieren“, sagt Schnell. „Dauerhaft über 22 Grad ist aber eine Stressphase. Hat das Wasser länger 25 Grad wird es für die Bachforelle sehr kritisch – sie schnauft sich dann einfach zu Tode.“ Die Fische ersticken also. Und ihr Anblick lässt keinen Fischer kalt: „Den langen Todeskampf sieht man den toten Fischen an – ihre Kiemendeckel sind dann ganz weit abgespreizt.“

In der Oberen Isar sind für viele Fische derzeit die Stellen mit Rauschen und Gumpen die letzte Rettung. „Hier wird das Wasser so verwirbelt, dass es mehr Sauerstoff enthält“, sagt Schnell. Deshalb tummeln sich die Fische natürlich dort und in der Tiefe. „Badegäste sollten dieses Refugium unbedingt meiden.“ Drei Badende würden die Fische nicht weiter stören – zwei- bis dreitausend, wie am Flaucher in München, aber natürlich schon. An der Isar verschärfen laut Schnell zudem Heizkraftwerke die Lage. „Sie pumpen Wasser aus dem Fluss, etwa um ihre Anlagen zu kühlen“, erklärt er. „Später wird das erwärmte Wasser zurückgeleitet.“

Neben der Isar ist auch die Amper betroffen. Sie entspringt südwestlich von Oberammergau als Ammer, speist dann den Ammersee und fließt als Amper wieder ab. Der See schwächt den Fluss, die Amper ist kein wilder Gebirgsfluss mehr und enthält damit jetzt erst recht weniger Sauerstoff. Salmoniden treibt das zurück in den Oberlauf, Profiteure rücken nach. „Die Amper war früher Äschengebiet“, sagt Schnell. „Jetzt hat sich der Waller, der es wärmer mag, ausgebreitet.“ Der Waller ist eigentlich in den Unterläufen der Donau und in der Unteren Isar vertreten, wandert wegen des Klimawandels aber weiter nach oben. Das gleiche beobachten Fischer auch in der Glonn und Würm.

Bergseen und Seen im Voralpenland sind noch nicht betroffen. Im Tegernsee, Schliersee und Walchensee steigt die Temperatur noch nicht so rapide, weil sie verhältnismäßig tief sind. Aber Schnell ist sicher: „Auch dort wird sich der Klimawandel irgendwann bemerkbar machen.“ Wenn es keine Abläufe gibt, müssen sich die Fische ihrem Schicksal ergeben. „Im Eibsee etwa könnte es eng werden.“ CORNELIA SCHRAMM

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