Gold, Silber, Kupfer und Messing als Werkstoff. Kessel, Huf, Nagel, Sense und die eine oder andere Waffe als Erzeugnis. Der Schmied war vielseitig – auch in seiner Schreibweise als Nachname. Denn: Kein zweiter Name ist so wandelbar wie der, der auf den Beruf des Schmieds zurückgeht. Wo sich der „normale“ Schmidt deutschlandweit verbreitete, bürgerte sich im Rhein-Main-Gebiet der Schmitt und an der Grenze nach Frankreich der Schmitz ein. Entstanden sind die Nachnamen aus der jeweiligen Aussprache – oder wie beim Schmitz eben danach, ob es in der Sippe mehrere mit dem gleichen Beruf gab.
Gen Süden – speziell in Bayern – ist der Schmied häufig, also der ursprüngliche Begriff an sich. Wenn man auf das „e“ verzichtet, sind wir mit bei einem typisch süddeutschen Namen angekommen: dem Schmid. Seine Verbreitung von der nördlichen Oberpfalz bis ins Breisgau ist imposant – und rückt Oberbayern quasi ins Zentrum. Hier auf erste Kirchenbucheinträge einzugehen, macht wenig Sinn. Dafür war der Name schon im 16. Jahrhundert viel zu weit verbreitet. Deutschlandweit ist der Name auf Rang 33 – für einen Namen, der in der Mehrzahl der Landkreise nur vereinzelt vorkommt, eine sehr hohe Platzierung.
Deutlich regionaler wird es beim Eisenschmid. Ihn gibt es am häufigsten im Landkreis Weilheim-Schongau und der näheren Umgebung. Sein Bruder im Geiste, der Eisenschmied, taucht nur rund um Bad Tölz mit einer einstelligen Anzahl an Namensträgern auf – und der Eisenschmidt sogar nur im östlichen Thüringen.
Eine Hilfe bei der Suche nach den Wurzeln sind für mich diverse Internetportale, in die jeder seine Vorfahren eintragen kann, sofern man Ahnenforschung betreibt und die Erkenntnisse mit anderen teilen möchte. Eine Pflicht besteht dafür natürlich nicht – und man könnte auch Erfundenes einstellen, sodass es für die Korrektheit der Daten leider keine Garantie gibt.
Bei den Eisenschmids offenbart sich hier zu Zeiten des 30-jährigen Krieges aber ein „Nest“ – in dem Dorf Dietershofen bei Badenhausen im Unterallgäu, 20 Kilometer nordöstlich von Memmingen. Vermeintlich stammen von dort ihre ersten Vorfahren. Aber Vorsicht: Vielleicht ist gerade diese Familie rund um Weilheim noch nicht erforscht oder einfach nicht online gestellt. So wäre es auch nicht abwegig, dass der Name erst später aus der Not heraus entstand, da sich zwei Familien mit dem Namen Schmid noch voneinander unterscheiden wollten.
Beim Schmied lohnt sich übrigens auch noch ein Blick aus der Heimat hinaus in die große weite Welt: Kennen Sie die Automarke Ferrari? Oder jemanden mit dem Nachnamen Demirci (türkisch), Kovac (slawisch), Kusnezow (russisch), Herrero (spanisch), Ferreira (portugiesisch), Faber (lateinisch) oder dem französischen Favre? Oder einen Kowalski in Polen? All diese Namen haben die gleiche Bedeutung – sie gehen ebenfalls auf den Beruf des Schmieds zurück.
Ein Schmi(e)d, der einen knallroten Sportwagen mit aufbäumendem Pferd fährt – das ist doch eigentlich die folgerichtige Kombination, oder? Die Namensforschung ist – ein sehr interessanter Aspekt noch zum Ende – ja auch ein bisschen mit einem Autokauf zu vergleichen. Es gibt sozusagen Re-Importe.
Da wandert die Familie Schmidt einst Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus. Ein Sprössling wird später auf eine US-amerikanische Air-Base im schönen Deutschland versetzt – und verliebt sich dort in ein einheimisches Madel. Der Nachwuchs lässt nicht lange auf sich warten. Quasi zurück zu den Wurzeln – nur der Name hat sich geändert. Aus Schmidt wurde Smith. Wie aus Wilhelm Williams, aus Müller Miller oder aus Braun Brown. Um eine andere, deutlich auffälligere Farbe geht es beim nächsten Mal. Bei dieser kann der Schein nämlich echt trügen.