Andechs – Bei einem Glas Bio-Vollmilch bleibt es nicht. Markus Söder schenkt sich noch einmal nach, denn „ich trinke gerne ein Glas kalte Milch“. Der Besuch bei der Molkerei Scheitz in Andechs im Kreis Starnberg, deutscher Marktführer bei Biomolkerei-Produkten, ist ganz nach dem Geschmack des Ministerpräsidenten. Ein Leuchtturm-Unternehmen aus der Region, Bio-Vorzeige-Molkerei, energieeffizient, mit begrüntem Dach, das nachhaltige Lebensmittel herstellt – das ist einen Besuch wert.
Söder nickt beifällig, als Molkereichefin Barbara Scheitz von der bio-ökologischen Arbeit der Molkerei mit der grünen Farbe berichtet, für die 663 Biobauern Milch liefern und mit deren Blockheizkraftwerk 30 Prozent Energieersparnis möglich ist. Neben der Bioproduktion ein weiteres wichtiges Thema, das gerade brandaktuell ist. „Ich gebe zu, grün ist nicht so meine Farbe, aber bei Ihnen mache ich eine Ausnahme“, scherzt Söder, um dann das nachhaltige Wirtschaften als typisch bayerische Eigenschaft hervorzuheben. „Die Hälfte der Biomilch aus Deutschland kommt aus Bayern. Wir sind absoluter Marktführer.“ Bayern habe nicht die riesigen Agrarfabriken. In Bayern sei Landwirtschaft nachhaltiger, kleinteiliger und „vor allem regional“. Der Freistaat will den Biolandbau bis 2030 auf 30 Prozent bringen – „eine große Aufgabe“, wie Söder einräumt. Als eine der größten Herausforderung im nächsten Dreivierteljahr sieht er aber den Bereich Lebensmittel. „Die Inflation schlägt da – neben der Energie – ziemlich stark zu. Daher sind wir sehr dafür, dass die Steuern auf Lebensmittel gesenkt werden – und zwar nicht nur auf Gemüse, sondern auch auf Milchprodukte und Fleisch.“
Barbara Scheitz berichtet von Absatzproblemen im Bereich Großverbraucher und Gemeinschaftsverpflegung. In Folge der Pandemie sei in Kantinen und Schulen der Bezug von Bioprodukten eingebrochen. „Wir fangen wieder da an, wo wir vor 15 Jahren standen.“ Der Bioanteil sei bei unter fünf Prozent. Ihr Appell war, Kindern Biolebensmittel ans Herz zu legen. Auch beim Oktoberfest sei man bei Biolebensmitteln „komplett aus der Übung“. Die Molkerei-Chefin wünscht sich 20 Prozent Bio bis zum Jahresende auf den Speiseplänen. Heute liege man unter fünf Prozent. Der höhere Rohstoffpreis, den man für Bioprodukte brauche, sei in Relation zu dem, was erreicht werde, gering. „Man kriegt eine andere Qualität. Unser Ziel muss sein, dass wir die Ökosystemleistungen unserer Landwirte honorieren.“
Nicht ganz im Geschmack des Ministerpräsidenten lag übrigens ein himbeerrotes Häubchen, das man ihm vor der Besichtigung der Molkerei verpassen wollte. Und siehe da, es gab noch ein weißes Mützchen. So hat alles gepasst in Andechs. cm