Austausch poröser Bahnschwellen dauert bis 2023
Garmisch-Partenkirchen – Der Austausch zahlreicher Betonschwellen bei der Deutschen Bahn nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen wird noch bis mindestens Ende des Jahres den Zugverkehr an vielen Stellen ausbremsen. „Ziel ist es, dass nahezu alle betroffenen Strecken bis Ende des Jahres wieder regulär befahrbar sind“, teilte der Konzern mit. „Klar ist aber auch: Der Austausch der Schwellen wird sich teilweise bis in das kommende Jahr ziehen.“
Aktuell gebe es aufgrund der Untersuchungen an den Bauteilen an rund 165 Stellen im Schienennetz Einschränkungen für die Fahrgäste, zumeist durch Langsamfahrstellen. „Betroffen sind schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen“, hieß es. Die Bahn hatte bundesweit bis zu 200 000 Schwellen untersucht.
An den untersuchten Schwellen seien teilweise „Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit“ festgestellt worden, teilte der Konzern mit. Mehrere technische Gutachten deuteten auf einen Herstellerfehler hin. Eisenbahner sprechen von „Betonkrebs“.
An wie vielen der untersuchten Schwellen nun Auffälligkeiten entdeckt wurden, ist unklar. Die Bahn schätzt den entstandenen Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag und prüft eigenen Angaben zufolge Regressansprüche gegen den Schwellenhersteller.
In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass es sich um Bahnschwellen des Herstellers Leonhard Moll AG handelt. Die Schwellen stammen demnach aus den Jahren 2004 bis 2010.
Moll stellt offenbar intern selbst Untersuchungen an, wie es zu der Materialermüdung kommen konnte. Alles sei denkbar – mangelhafte Rohstoffe ebenso wie Fehler bei der Produktion, aber auch beim Einbau sowie Witterungseinflüsse. dw/lby