Energiekrise: Kalte Dusche für Skifahrer

von Redaktion

VON SABINE DOBEL UND TINA SCHNEIDER-RADING

München – Die 6er-Sesselbahn „Sonnenklar“ im Gletschergebiet Zugspitze befördert pro Stunde bis zu 2200 Menschen auf eine luftige Höhe von 2588 Meter. Sie ist nur eine von sechs Anlagen auf dem Zugspitzplatt, bis zu 9040 Personen erreichen so pro Stunde das beliebte Skiplateau – schnell, bequem und komfortabel. Im kommenden Winter allerdings könnte es kühl werden für die Wintersportler. Viele Skigebiete in Deutschland wollen angesichts der Energiekrise Strom sparen. Auch im Freistaat könnten dann die Lifte langsamer laufen und weniger Scheinwerfer angeknipst werden.

„Grundsätzlich stehen alle Bereiche des Seilbahnbetriebs auf dem Prüfstand“, sagt Peter Lorenz, Vizepräsident des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS). Grundsätzlich seien die Seilbahnen hinsichtlich der effizienten Energienutzung bereits gut aufgestellt. Gebäude würden durch die Abwärme der Seilbahn oder über Photovoltaikanlagen unterstützend beheizt.

Doch auch die Kollegen aus Österreich und der Schweiz denken über Sparmaßnahmen und reduzierten Betrieb nach. Die deutschen Liftbetreiber können sich verschiedene Maßnahmen zum Energiesparen vorstellen: Die Sitzheizungen in den Sesselliften sollen abgeschaltet werden, teilte der VDS mit. Manche Gebiete wollen zum Händewaschen nur noch kaltes Wasser bereitstellen. „Bei Liften kann eine geringere Fahrgeschwindigkeit Einsparpotenzial bieten“, so der VDS.

Naturschützer wie Richard Mergner fordern die Betreiber zudem auf, auf Schneekanonen zu verzichten. Er sieht den Skizirkus in bayerischen Gebieten seit jeher kritisch: „Die Politik und Ministerpräsident Markus Söder dürfen sich beim Energiesparen nicht weiter wegducken“, warnt der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN). „Die Zeit ist nun mehr als reif, hier Einschnitte zu machen.“ Mergner forderte die Staatsregierung auf, entsprechende Vorgaben auszuarbeiten und umzusetzen, die Skigebiete müssten sich durch den Klimawandel ohnehin umstellen: „Ein Verzicht auf Beschneiung kann in einem Winter zwölf Millionen Kilowattstunden Strom sparen“, sagt Mergner. „Zudem Millionen Liter Wasser.“

Die Beschneiung in Bayern habe nur einen Anteil von 0,002 Prozent des gesamtdeutschen Stromverbrauchs, kontert der Seilbahnverband. Außerdem würden die Gebiete überwiegend in der Nacht beschneit, also dann, wenn Strom gut verfügbar sei.

In den Augen des VDS ist die Energiebilanz für einen Skitag durchaus vertretbar. Die Bedarf für einen Gast an einem Tag mit Seilbahnen und Pistenpräparierung liege bei 16 Kilowattstunden: „Genauso viel Energie benötigt ein Mittelklasse-Pkw mit einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern für eine Strecke von 22 Kilometern.“

Eine andere Einspaar-Idee kommt aus der Politik: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte angeregt, die Saison nach hinten zu verschieben. „Es ist inzwischen klar, dass es im März kühler ist als im November“, hatte der CSU-Politiker vor Kurzem gegenüber unserer Zeitung betont. Die Liftbetreiber wollen die Skisaison aber keinesfalls später anfangen lassen. „Der Beginn steht seit jeher in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen und liegt meist zwischen Mitte Dezember und dem Beginn der Weihnachtsferien.“

Der VDS unterstreicht auch die positiven Seiten des Wintersports – für die Wirtschaftskraft der Gebiete genauso wie für die Touristen: „Seilbahnen generieren eine enorme Wertschöpfung für die gesamte Region. Sie leisten insbesondere in strukturschwachen Gebieten einen unersetzlichen Beitrag für sichere und nachhaltige Arbeitsplätze“, gibt der Verband zu bedenken. Ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn sichere insgesamt 5,1 Arbeitsplätze in der Region. Von den gesunden Seiten des Wintersports ganz zu schweigen: „Mit unserem Angebot ermöglichen wir wichtige Auszeiten vom Alltag, die in der aktuellen Situation wichtiger denn je sind“, resümiert Vize-Vorstand Lorenz.

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