DAS PORTRÄT
Fußballer mit Mission
Bis vor einigen Jahren drehte sich in Thomas Moosers Leben alles nur um Fußball. Das sieht man ihm auch an: Er trägt am liebsten eine kurze Hose und ein leuchtendes Trikot. Mit einer Profikarriere hat es bei dem Sportwissenschaftler zwar nicht geklappt, aber er hat sich zum DFB-Regionalauswahltrainer ausbilden lassen, um möglichst nah dranzubleiben. Trotzdem hat es ihn nicht in die weite Welt gezogen – er hängt an Saaldorf, seiner Heimat im Berchtesgadener Land. Die weite Welt ist zu ihm gekommen.
Berufsschule Freilassing, 2015. Seit Kurzem gibt es Integrationsklassen, da viele Menschen nach Deutschland geflüchtet sind. Neben Deutschkursen soll auch Sportunterricht bei der Integration unterstützen. „Und dafür bin ich natürlich der richtige Mann“, sagt Mooser mit einem Schmunzeln. Der Sportunterricht kommt so gut an, dass einige aus der Klasse Mooser darum bitten, sie auch außerhalb der Schule zu trainieren. Wenig später wird aus den einstigen Freizeitkickern der Fußballverein BGL International Freilassing. „Die Jungs haben davor in Deutschland noch nicht richtig Fuß gefasst. Aber durch den Verein haben sie klare Strukturen. Außerdem spielen sie in der Liga mit anderem Teams auf Augenhöhe und können sich dort Respekt verdienen. Das ist bei uns auf dem Land wichtig“, sagt Mooser. Ihm war es wichtig, auch auf psychischer Ebene den Spielern zu helfen. Deshalb holt er einen Mentaltrainer dazu, mit dem er selbst seit 2008 zusammenarbeitet. „Das Wichtigste ist zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und seine Talente dafür einzusetzen, etwas zurückzugeben“, betont er. Sein Engagement bleibt nicht unentdeckt: 2018 erhalten der Saaldorfer und sein Team von der Regierung von Oberbayern einen Integrationspreis.
Moosers Lebensphilosophie wird Ende 2019 nochmals auf die Probe gestellt. Es kommt es zu einer Partnerschaft mit der „Good Hope Soccer Academy“. Ein Fußballverein in Mombasa, der zweitgrößten Stadt Kenias, der Kinder durch Fußball von der Straße holen will. Zu Beginn geht es nur um Trikottausche und Ballspenden. Durch Corona ändert sich die Lage: Die kenianische Wirtschaft bricht zusammen, die Lebensmittel werden knapp. „Als ich dann über Facebook den Spendenaufruf der Academy gesehen habe, musste ich tätig werden“, sagt Mooser. Zuerst sammelt er 500 Euro, dann werden knapp 7000 Euro daraus. Mooser will, dass das keine einmalige Sache bleibt – er wird Mitgründer der Spendenorganisation Universal Lighthouse. Inzwischen arbeitet der Verein nicht nur mit der Fußballakademie zusammen, sondern auch mit einer Schule für arme Kinder, einem Waisenhaus und fördert eine Golfergruppe – alle mit Sitz in Kenia.
Seine erste eigene Reise nach Mombasa unternimmt der Saaldorfer im vergangenen Sommer. „Diese Reise hat emotional viel in mir bewegt. Ich bin dankbar und demütig“, sagt Mooser. Vor allem hat der Trip ihn in seiner Arbeit bestärkt. „Eigentlich wollte ich immer Fußballprofi werden. Aber es ist gut, dass es anders gekommen ist. Die Arbeit, die ich mache, ist wahrscheinlich meine Lebensaufgabe. Zumindest macht sie mich glücklich.“ REBECCA HABTEMARIAM