Ein Harmonie-Doppel will an die Macht

von Redaktion

Selbstbewusst legen die Grünen ihre Spitzenkandidaten fest: Hartmann und Schulze als Team

München – An der Hallenwand des Münchner Clubs im Hauptbahnhofviertel, wo die Grünen ihr Personal vorstellen, steht „mehr Amore“. Aufs Erste halten sich Ludwig Hartmann und Katharina Schulze daran. Die beiden, frisch zu den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt, überschütten sich fast mit Nettigkeiten und Lob. Keiner könne Energiepolitik besser als er, sagt sie. Keine mache Innenpolitik besser als sie, sagt er. Feierliches Gelübde: Man werde ein Team sein, ein starkes sogar.

Das prägt den offiziellen, wenn auch sehr frühen Wahlkampfstart der größten Oppositionspartei im Freistaat: Augenhöhe, Teamspiel der beiden Führungsleute, die sonst grundverschieden sind und denen auch gewisse Rivalität nachgesagt wird. Hartmann, 44, tritt ruhig auf, leise, ernst, und an diesem Nachmittag sogar ein bisschen angespannt. Schulze, 37, wirkt quirlig, emotional, sehr selbstbewusst. Beide eint: Sie wollen künftig regieren, mindestens mitregieren.

So irreal wie früher ist das nicht, im Gegenteil. In Umfragen gab es schon Mehrheiten jenseits der phasenweise grob schwächelnden CSU, dauerhaft wenigstens eine Option als Juniorpartner. Die CSU schließt das bisher aus, mindestens von Hartmann weiß man: Er kann sich das gut vorstellen. „Es hat uns getroffen, trotz bombigem Wahlergebnis 2018 nicht die Regierungsoption bekommen zu haben“, sagt er ehrlich. „Markus Söder hat sich nicht getraut.“ Die Grünen seien weiterhin „bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Zeit drängt.“ Schulze ergänzt, ein Jahr vor der Wahl sei „Ausschließeritis verantwortungslos“, es gehe nicht um Befindlichkeiten.

Ziel: Regieren. Weg: offen. Die Lage ist ja auch total volatil. Hartmann, der als Einziger in der Grünen-Führung die notwendigen 40 Jahre erreicht hat, um Ministerpräsident zu werden, formuliert diesen Posten-Anspruch explizit nicht, auch auf Nachfrage nicht. Ein positives Bayern-Bild zu formulieren, ist nun Teil der Strategie; längst läuft die Umsetzung, sich um Themen zu kümmern, die bisher nicht als urgrün galten. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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