Sie sind wieder da!

von Redaktion

Die Schwammerl-Saison beginnt heuer spät, startet aber vielversprechend.

VON CARINA ZIMNIOK

Forstern – Pilzfreunde haben schwierige Wochen hinter sich. Andreas Herbrecht, 61, veranstaltet Schwammerltouren im Wald, im Sommer musste er mehrere absagen: „Weil nichts zu finden war“, sagt der gelernte Gärtner und Schwammerl-Experte aus Forstern, Kreis Erding. Und das haben ihm auch seine „Pilzspione“ gemeldet, das sind die vielen Bekannten und Kursteilnehmer, die noch öfter im Wald unterwegs sind als er. Zum Glück hat es zuletzt gescheit geregnet und für Pilze, deren Fruchtkörper fast zu 100 Prozent aus Wasser bestehen, ist das extrem wichtig. Jetzt kann Herbrecht sagen: „Es geht richtig los, es explodiert!“ Und zwar ganz viele Arten. Bislang hat er vor allem die Krause Glucke gefunden, Steinpilze, MaronenRöhrlinge oder Braunkappen, Täublinge und Rotfußröhrlinge. Bis zum ersten Frost könnte es eine gute Schwammerl-Saison werden.

Andreas Herbrecht, der seine Ausbildung zum Pilzberater bei der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft absolviert hat, warnt Laien vor Verwechslungsgefahren: Die essbaren Stockschwämmchen zum Beispiel seien nur für Leute, die sich gut auskennen. Denn der potenziell tödliche Gifttäubling sieht genauso aus – einen Unterschied erkennt der Fachmann nur am Stiel. Die Klassiker unter den Giftpilzen, grüne und weiße Knollenblätterpilze, sind etwas leichter zu erkennen. Bei Unsicherheiten rät der Experte, zur Pilzberatung zu gehen, die Ehrenamtliche der Mykologischen Gesellschaft vielerorts anbieten. Fern-Analysen in Internetforen seien mit Vorsicht zu genießen: „Man muss auch bewerten, wie der Pilz riecht, wie er sich anfühlt.“

Denn nicht nur giftige Exemplare, die oft Organe wie Leber oder Nieren schädigen, sind ein Problem. Es kann auch übel enden, wenn Pilzesammler halb vergammelte Schwammerl in den Kochtopf werfen: „Pilze haben ein leicht verderbliches Eiweiß“, erklärt der Experte. Das verursacht unter Umständen eine Lebensmittelvergiftung, die „unechte Pilzvergiftung“. Andreas Herbrecht macht noch im Wald den Test: „Wenn ich auf die Kappe drücke und es bleibt eine Delle zurück, lasse ich ihn stehen.“ Und solche Schwammerl sortiert er auch bei der Pilzberatung großzügig aus: „Besser kein Risiko eingehen“, sagt er.

Eine der wichtigsten Fragen unter Schwammerlsuchern ist ja die nach der perfekten Uhrzeit für eine Tour durch den Wald. Experte Herbrecht empfiehlt den Vormittag, wenn die Feuchtigkeit der Nacht sich schon verzogen hat. Dann kommen die Schwammerlsucher auch den Jägern nicht in die Quere – in der Morgendämmerung und ohne Warnweste können die Spaziergänger nämlich leicht mit einem Wildschwein verwechselt werden.

Der liebste Schwammerl von Herbrecht ist übrigens gelb-beige und hat einen Namen wie aus einem Märchen. Rauchblättriger Schwefelkopf. Der 61-Jährige isst ihn gerne gedünstet aus der Pfanne, dazu Zwiebeln und ein bisschen Räuchertofu.

Oh, du schöne Schwammerlzeit – endlich geht sie wieder los!

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