Die miesen Maschen der Telefonbetrüger

von Redaktion

Josef Thies hatte es mit lästigen Anrufern zu tun – Nun gibt er anderen Tipps, um sich zu schützen

Fürstenfeldbruck – Telefonbetrüger beißen sich bei Josef Thies die Zähne aus. Der Rentner aus dem Raum Fürstenfeldbruck kennt die Maschen hinterlistiger Anrufer. Seit er selbst vor sechs Jahren wegen eines vermeintlichen Geldgewinns lästigen Telefonterror erlebt hat, sammelt er Betrugsfälle, hält Vorträge und gibt seine Tipps an andere weiter.

Wie sollte man reagieren, wenn keine oder eine unbekannte Nummer am Display erscheint?

Am besten nicht abheben oder wieder auflegen. Niemals sollte man fremde Nummern zurückrufen und auf keinen Fall mit „Ja“ rangehen!

Warum?

Der Rückruf könnte eine Kostenfalle sein. Und das „Ja“ könnte aufzeichnet und damit gefälschte Telefonmitschnitte erstellt werden. Dem Angerufenen wird unterstellt, er habe zum Beispiel einem Vertrag zugestimmt.

Wie melden Sie sich denn?

Nicht mit Vor- und Zunamen, sondern nur mit „Hallo“.

Welche Anrufe sollten stutzig machen?

Wenn es heißt „Spreche ich mit Herrn Sowieso?“, dann antworte ich immer mit „Nein“ und lege auf. Bei manchen Betrugsanrufen erscheint die 110 am Display. Vorsicht, das kann nie die Polizei sein. Diese könnte schon aus technischen Gründen niemals unter 110 anrufen.

Bei welchen Themen müssten die Alarmglocken läuten?

Wenn es um Themen wie Bankdaten, Passwörter, Vermögen oder das eigene Geburtsdatum geht. Viele alte Leute sind in komplexen Situationen überfordert. Wenn Druck ausgeübt wird, geraten sie in Panik. Das wollen die Betrüger auch erreichen. Denn stets versuchen sie bei den Menschen Angst, Empathie oder Gier zu wecken.

Haben Sie Beispiele dazu?

Jemand wird in Schrecken versetzt, etwas zahlen zu müssen. Ihm wird Angst gemacht, dass ein Pfändungsbeschluss vorliege und er schnell handeln müsse. Mitgefühl wird missbraucht, wenn angeblich der Sohn im Gefängnis sitzt und über eine Kaution freigekauft werden müsse. Auf die Gier nach Geld zielen Gewinnspiele ab, bei denen man aufgefordert wird, schnell zu reagieren.

Welche Masche ist am gefährlichsten?

Mich treiben die Enkeltricks um. Die Angerufenen werden überrumpelt, weil ein Familienmitglied in Not geraten sei. Dann wird viel Geld verlangt. Oft trifft’s ältere Leute, die leichtgläubig, ängstlich oder manipulierbar sind.

Auf welche Weise werden diese ausgewählt?

Durch ihre altmodischen Namen im Telefonbuch. Am besten sollte man alle Telefonbuch- und Online-Einträge entfernen lassen.

Wie könnten die Angerufenen reagieren?

Auf die Frage „Rate mal, wer dran ist?“ sollten sie niemals Namen nennen – höchstens falsche, um die Betrüger zu entlarven. Am besten auflegen und den „richtigen“ Enkel anrufen. Um zu vermeiden, dass Betrüger immer wieder anrufen, gibt’s nur eines – und zwar derbe Schimpfwörter!

Enkeltricks sind nur eine der vielen Maschen. Welche gibt es noch?

Die Maschen werden immer hinterhältiger. Mal sind es falsche Polizeianrufe, mal vermeintliche Gewinnspiele. Besonders dreist war ein Fall, bei dem mich ein „Forderungsmanagement“ aufgefordert hat, 660 Euro zu zahlen, gleich wurde mit dem Gerichtsvollzieher gedroht. Nicht mit mir!

Nützt es etwas, unerwünschte Nummern an die Bundesnetzagentur weiterzugeben?

Sie kann bei betrügerischen Maßnahmen Nummern stilllegen und Bußgeld verlangen. Das Problem ist, dass bei vorgetäuschten Nummern die Suche ins Leere läuft.

Menschen, die auf Betrüger reingefallen sind, schämen sich oft zutiefst.

Die Leute müssen sich nicht schämen. Sie sollten sich nur schämen, wenn sie nicht zur Polizei gehen.

Das Interview führte Corinna Kattenbeck

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