Maisach – Der Verkauf eines kleinen alten Autos hat unter Arbeitskollegen in Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) beinahe zu einem tödlichen Streit geführt. Jetzt muss sich das Landgericht München II um den Fall kümmern. Und während das Opfer (38) längst wieder arbeiten kann, ist der vermeintliche Täter (45) ans Bett gefesselt. Nach einem Sturz in der U-Haft aus einem Stockbett ist er ab Brusthöhe querschnittsgelähmt.
Laut Anklage hatte er im Juni 2020 seinem Arbeitskollegen aufgelauert. Er schlug ihn mit einer Eisenstange auf den Kopf, würgte ihn und drohte: „Ich mache Dich tot, Du hast keine Chance.“ Der 38-Jährige konnte sich mithilfe von Kollegen hinter eine versperrte Tür retten. Doch die Todesangst, die er bei der Attacke erlitt, hinterließ psychische Spuren. Gestern erschien er zum Prozess erst einmal nicht als Zeuge.
Der Angeklagte, der in einem Bett liegend die Verhandlung verfolgte, ließ über seine Verteidiger erklären, dass er seinen Kollegen nicht gewürgt hätte. Der wiederum habe ihm mehrmals gedroht, „er würde ihm seine Türken vorbeischicken und die würden ihn tot machen“. Die Attacke beschrieb er als Notwehr, der 38-Jährige sei an besagtem Abend mit geballter Faust auf ihn losgestürmt, gerade zu dem Zeitpunkt, als er sich mit ihm vertragen wollte. Doch die Zeugen hatten da etwas anderes gesehen, hatten einen angetrunkenen 45-Jährigen beobachtet, der wieder einmal durch den Alkoholmissbrauch aggressiv um sich schlägerte. Schon die betriebliche Weihnachtsfeier im vorangegangenen Jahr war ähnlich ausgegangen.
Der neuerliche Streit war angeblich an den Autoschlüsseln und den Papieren entbrannt, welche der Jüngere dem Älteren nicht überlassen wollte – bis Letzterer mit einem Gang zum Chef drohte. Da wurden ihm die Schlüssel vor die Füße geworfen. Der Rest ist bekannt.
Warum der Angeklagte unbedingt dieses Auto besitzen wollte, blieb nebulös. Er selber besitzt keinen Führerschein, das Auto sollte wohl eine Wiedergutmachung für seine Ex sein. Der Prozess dauert an. ANGELA WALSER