Das Ende einer langen Suche

von Redaktion

Polizei: Eine orange Regenhülle wies den Weg zum Bergtoten

Berchtesgaden – Die orange Regenhülle des Rucksacks war es, die die österreichische Besatzung eines Salzburger Polizeihubschraubers auf die Leiche des 24-jährigen Niedersachsen am Hochkalter aufmerksam machte. „Wir fanden ihn an genau der Stelle, die wir bei unserer Suche schon abgegangen waren“, sagt Jörg Fegg, Leiter der Alpinen Einsatzgruppe bei der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Am Donnerstag konnte der Verunglückte endlich geborgen werden – das Ende einer langen Suche.

Der Fund nun sei Zufall gewesen, sagt Jörg Fegg. Denn eigentlich war die Suche nach dem Vermissten nach sechs Tagen offiziell eingestellt worden. Die österreichische Hubschrauber-Mannschaft befand sich auf einem Rückflug nach einer Luftunterstützung zum Salzburger Flughafen „und wollte im Überflug mal schauen, ob sie etwas finden“, so Fegg. Und tatsächlich – die Österreicher wurden fündig und meldeten den Rucksack bei der Alpinen Einsatzgruppe.

Fegg ist kletteraffiner Alpinist, schon seit früher Jugend, die Berchtesgadener Alpen kennt er wie kaum ein anderer. Mit dem Polizeihubschrauber „Edelweiß 2“ ging es für ihn und einen weiteren Bergführer am Donnerstag in die Luft. „Wir sind dann direkt den Hochkalter angeflogen“, sagt Fegg. Etwas Nebel behinderte den Flug. Aber anders als bei den Suchen zuvor mussten die Alpinbeamten nicht erst zum vermuteten Standort klettern. Der Hubschrauber konnte direkt dorthin fliegen. An einer Winde wurde Jörg Fegg abgewinscht, wie es in der Fachsprache heißt. Die orange Regenhülle war bereits aus der Luft zu sehen. Der Tote sei bis zuletzt wohl mit Schnee bedeckt gewesen, sagt Fegg. Der Schnee taute aber in den vergangenen Tagen ab.

Fest steht nun: Der Niedersachse ist nicht an seinen Verletzungen gestorben. „Das waren nur leichte.“ Vielmehr sei er erfroren, vermutlich bereits an jenem Samstag, an dem er am Nachmittag auf den Hochkalter aufgebrochen war. Sechs Stunden lang war Julian P. noch in regelmäßigem Austausch mit den Ramsauer Bergrettern gewesen, ehe der Kontakt gegen 21 Uhr abgebrochen war.

Die Angehörigen des Mannes seien umgehend vom Kriseninterventionsteam des Bayerischen Roten Kreuzes informiert worden. „Ungewissheit ist das Schlimmste, was man als Elternteil haben kann“, sagt Jörg Fegg.

Für ihn beginnt nun die Büroarbeit. „Ich muss die Anzeige fertigen und den Berg-Unfall aufarbeiten für die Staatsanwaltschaft.“ Es geht um Versicherungsfragen, um die Abwicklung von Bergungskosten, das Ausstellen der Sterbeurkunde. Viele Telefonate, viel Schreibarbeit, „da reichen nicht nur ein paar Stunden“. Am Ende wird es eine Abschlussbesprechung aller Beteiligten geben. Bei einer so großen Suche gehöre das einfach dazu. KILIAN PFEIFFER

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