Deshalb feiern wir am Sonntag Kirchweih

von Redaktion

Mit seinem Stab klopft der Bischof an die Tür. Dann betritt er die Kirche für eine aufwendige Zeremonie. Um ein Gebäude zu einem Haus Gottes zu machen, segnet der Bischof unter anderem das Taufbecken, weiht den Altar und salbt die zwölf Leuchter, die die Apostel Jesu symbolisieren. „Jeder Ort feiert an Kirchweih, dass der Bischof einmal zu Besuch war und der Kirche einen geistlichen Sinn verliehen hat“, sagt Pfarrer Josef Riedl. Als Dekan hält er an Kirchweih den Gottesdienst in Sankt Sebastian in Ebersberg. Am Sonntag sind die Kirchen aber im ganzen Landkreis gut besucht – wie im Bairer Ortsteil Antholing: „Zu Kirchweih werden festliche Gottesdienste gefeiert.“ In Baiern spielt die Bairer Musi, in Ebersberg ein Chor samt Orchester.

Pfarrer Riedl ist in Wasserburg aufgewachsen. Als Bub saß auch er auf der Kirta-Hutschn – und bis heute hat er einen Spruch im Kopf: „A gscheiter Kirta dauert bis zum Irta – also bis Dienstag“, sagt der 66-Jährige und lacht. „Zu Kirchweih wurde schon immer ausgiebig gefeiert, kein Wunder also, dass der Staat das Fest Mitte des 19. Jahrhunderts für alle einheitlich auf einen Termin festgelegt hat – vorher feierte ja jeder Ort sein eigenes Kirchweihfest. In Südtirol etwa ist das heute noch so.“

Ob Kirta-Hutschn, die Nudeln, die Ente beim Wirt oder ein Kirta-Tanz – die Bräuche gehören heute zum Kirchenfest. „Sie verlängern die geistliche Feier in das Leben der Menschen hinein.“ Je nach Region wird Kirchweih auch als Kirta, Kerwa, Kerb oder Kischta bezeichnet. Erst seit 1866 wird es am dritten Oktobersonntag gefeiert. Davor wurde zu oft und ausgelassen gefeiert. War das Kirchweih-Fest im eigenen Dorf vorüber, fand das nächste im Nachbarort statt. Der andauernden Völlerei und Sauferei gebot der Staat dann Einhalt.  sco

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