Miesbach – „Nicht unproblematisch“: So bewertet Miesbachs Stadtkurator Alexander Langheiter das Wandgemälde „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“ im Saal des Parsberger Altwirts. Das Bild ist eines von dreien, das im Zuge des geplanten Abrisses des ehemaligen Gasthofs abgetragen werden und bewahrt werden soll. Die Stadt Miesbach soll das Vorhaben des Parsberger Trachtenvereins D’Rohnbergler finanziell unterstützen. Darüber wurde nun im Finanzausschuss lange diskutiert. Denn: Zwei der vier Männer haben offenbar eine NS-Vergangenheit.
Eigentlich ist das Vorhaben, die drei aus dem Jahr 1939 beziehungsweise 1967 stammenden Wandgemälde aus der Hand des Kunstmalers Josef Stallhofer (1908-1993) im Saal des Gasthofs zu retten, lobenswert. Stallhofer wurde 1945 bis 1947 auch für die Wiederinstandsetzungsarbeiten des Antiquariums in der Münchner Residenz verpflichtet. Und wenn schon nicht das traditionsreiche Gebäude in Parsberg gerettet werden kann, in dem die heimische Volksmusikgemeinschaft um Sepp Sontheim und Kiem Pauli in ihrer Blütezeit eine Heimat hatte, dann sollten zumindest diese Zeitzeugnisse erhalten bleiben.
Geplant war, dass die drei Bilder, wenn sie von der Wand genommen sind, ins Eigentum des Parsberger Trachtenvereins übergehen. Die Kosten liegen bei 10 000 Euro, die der Verein mit Spenden finanzieren will, den Rest soll die Stadt zur Hälfte tragen – aber nur bis 2500 Euro. Danach bekommen die Gemälde eine neue Heimat. Das Bild „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“ soll in die Grundschule.
Doch nun wurde in der Ausschusssitzung bekannt: Zwei der gezeigten vier Honoratioren – ein Braumeister Wiedemann und ein Emil Hinterdobler – sollen das Nazi-Regime in der Kreisstadt aktiv unterstützt haben. Was in der Sitzung allerdings erst nach dem Sachvortrag der Verwaltung durch Wortbeiträge der Freien Wähler und der SPD ein Thema wurde.
Andere Ausschussmitglieder waren nicht so streng: Besagtes Gemälde sei Jahrzehnte in der Wirtschaft zu sehen gewesen, hieß es. Gespräche mit Schulamt und Denkmalpfleger wurden angeregt und Aufklärungstafeln nebst Aufarbeitung in der Grundschule gefordert. Was einen Vertreter der Freien Wähler erboste: „Ihr versucht, die Geschichte vom Eis zu bringen. Es geht um Leute mit NS-Vergangenheit und Geld von der Stadt. Wer sich auskennt, weiß, was die mit ihrer Macht hier angerichtet haben.“ Widerspruch kam seitens der CSU: „Es ist gerade Aufgabe der öffentlichen Hand, so etwas zu machen und den geschichtlichen Kontext herzustellen.“
Der ursprüngliche Beschlussvorschlag wurde um die Aufklärungstafel erweitert und mit 7:3 Stimmen angenommen – zur beantragten getrennten Abstimmung kam es nicht. Auch der Vorschlag, im Stadtrat zu entscheiden, setzte sich nicht durch. Stadtkurator Langheiter relativiert auf Nachfrage unserer Zeitung: „Es waren Parteimitglieder, aber sie gehörten nicht zur oberen Hierarchie.“