DAS PORTRÄT

Der Quoten-Quilter

von Redaktion

„Nähen“, sagt Christian Trunsperger, „war nie etwas, was mir fremd war“. Die Mutter war Kürschnerin, er ist quasi mit dem Surren einer Nähmaschine groß geworden. Das mit dem Quoten-Quilter sehen allerdings die beteiligten Frauen und ihre Leiterin Carola Helm nicht so. „Er ist einfach einer von uns“, sagen sie. Er meint: „Die anderen haben mich in ihr Herz und in die Gruppe aufgenommen.“ Dann muss er weitermachen, sie sind gerade alle zusammen dabei, die nächste Ausstellung im Bürgerhaus Pullach vorzubereiten.

Angefangen hat sein Faible dafür, kleine Stoffstücken zusammenzufügen zu einem kunstvollen großen Ganzen, vor vielen Jahren. „Ich hatte einen Stapel Jeans im Schrank, die ich nicht mehr tragen konnte – aber ich wollte sie auch nicht wegwerfen.“ Er hatte die Nähmaschine, ein „Haushaltsteil“, Marke Bernina. Er machte sich im Internet kundig. „Know-how war sowieso vorhanden.“ Und irgendwann war sie fertig, die erste Steppdecke. Die erste Riesen-Steppdecke, denn Christian ist nicht der Mann für den kleinen Quilt. „Unter Zwei mal Zwei Meter-Sachen mach ich’s nicht“, sagt er und lacht.

Zehn solcher Riesen-Decken hat er schon gefertigt, wobei die jeweils aus zwei Design-Schritten bestehen. Erst muss man sich ein Muster überlegen, das die Stoffe bilden sollen, dann noch kleinere Muster, die man nur mit dem Faden drübernäht. „Free Motion Quilting“ heißt das. 150 Stunden sitzt er an einer Patchwork-Decke, meist verschenkt er die Dinger. Die letzte hat eine Freundin zum 60. bekommen. „Die war sprachlos, als sie das Geschenk aufgemacht hat.“ Sprachlos vor Freude natürlich. Christian Trunsperger, 56 Jahre alt, sagt: „Ich bin ein Bastler. Technische Herausforderungen sind für mich ein gefundenes Fressen“, und: „Ich brauch das Nähen als Ausgleich zum eher technischen Job, das Hirn braucht auch mal andere Reize.“ ANDREA KÄSTLE

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