Nürnberg/Berlin – Der ehemalige Chef der bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Martin Burkert, dürfte heute zum Chef der Eisenbahner- und Verkehrs-Gewerkschaft EVG gewählt werden. Der 58-jährige Nürnberger ist einziger Kandidat für den Vorsitz beim Gewerkschaftstag in Berlin. Obwohl vor allem als Politiker bekannt, ist Burkert eigentlich Eisenbahner durch und durch. Er kam 1980 mit qualifizierendem Hauptschulabschluss als Azubi zur damalige Deutschen Bundesbahn und schlug dort nach der Lehre die Beamtenlaufbahn ein. Er betont aber, alle Sparten des Betriebs schon damals kennengelernt zu haben. „Ich habe alles gemacht: Fahrkarten verkauft, Rangiert bei Wind und Wetter, Weichen gestellt als Fahrdienstleiter.“ Früh engagierte er sich bei der Gewerkschaft, die damals „Gewerkschaft der Eisenbahner“ hieß. Parallel verfolgte er eine Parteikarriere, arbeitete sich vom Vorsitz einer SPD-Ortsgruppe in Nürnberg hoch bis in den Bundestag. Von 2005 bis 2020 saß er im Parlament, konsequenterweise war er im Verkehrsausschuss und wirkte als Bahnbeauftragter der SPD-Fraktion.
Seine erste Bewährungsprobe als Boss der mit 186 000 größten deutschen Bahngewerkschaft EVG, die mit der streikerprobten GdL im erbitterten Clinch liegt, dürfte Burkert im kommenden Frühjahr erleben. Dann gibt es gleichzeitig Tarifverhandlungen mit 50 Bahnbetrieben, darunter DB und Transdev. Burkert kündigt schon an, die Beschäftigten bräuchten „einen kräftigen Schluck aus der Einkommenspulle“. Dass der noch ausstehende Tarifabschluss im öffentlichen Dienst – die Gewerkschaften fordern 10,5 Prozent mehr – ein Maßstab sein könnte, dementiert er nicht.
Als EVG-Chef dürfte Burkert künftig in allen Fragen der Verkehrspolitik ein gewichtiges Wort mitreden. Er ist qua Amt automatisch stellvertretender Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn AG. DIRK WALTER