Oberpfaffenhofen – Aus dem „Houston von Deutschland“ hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Botschaft nicht nur in die Welt, sondern auch ins All geschickt: Bayern soll als Raumfahrtstandort weiterentwickelt werden. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will mit ihrem „Artemis“-Programm in wenigen Jahren Menschen zum Mond schicken – dann soll das Mondkontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen im Kreis Starnberg kommen. Und zwar ans Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo der Science-Fiction-Fan Söder gestern zum bayerischen Raumfahrtgipfel einlud.
Der Ministerpräsident präsentiert keine abgehobenen Fantastereien. Assistiert von den Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer sowie hochrangigen Wissenschaftlern verkündet Söder, dass Bayern die Weltraumforschung weiter fördern werde. Zuzüglich zu 3,5 Milliarden Euro, mit denen Bayern 2019 seine Hightech-Agenda ausgestattet hat, sollen nun 50 Millionen Euro für Satelliten investiert werden. Für den Freistaat sei die Raumfahrt immer eine der wichtigsten Möglichkeiten gewesen, sich zu entwickeln, Arbeitsplätze zu schaffen, Start-ups zu gründen und die Forschung voranzubringen „Es geht aber nicht nur um das ökonomische Potenzial, sondern auch um die Frage des Menschseins schlechthin“, sagt Söder.
Durch die Raumfahrt könne man erkennen, wie wichtig die Bewahrung dieses einzigartigen Planeten sei. „Nicht nur der Blick ins tiefe All ist faszinierend, sondern auch der Blick auf den einen, wundervollen Planeten, der der unsere ist. Wir werden weiter im Bereich Weltraumforschung investieren, unsere Fakultät der TU München zur größten Raumfahrt-Fakultät in Europa ausbauen.“ Bayerns Raumfahrt-Industrie habe über 60 000 Beschäftigte, über 550 Unternehmen vom Weltmarktführer bis zum Start-up.
2018 war Söder vielfach belächelt worden, als er mit „Bavaria One“ ein großes Raumfahrtprogramm angekündigt hatte. Doch er setzt seinen Weg durchs Universum unbeirrt fort und fordert auch einen „Weltraumplan“ für Deutschland. In einem Monat wird die Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumagentur (ESA) in Paris tagen. Dann geht es darum, wie viel Geld die europäischen Staaten für die kommenden drei Jahre geben. „Europa muss sich an Mond- und Marsprojekten beteiligen“, betont Söder und träumt von einer Mondstation. „Wenn Bayern dabei sein könnte mit einem kleinen Bayernzimmer, fände ich das ziemlich gut. So eine kleine Zirbelstube auf dem Mond wäre bestimmt der populärste Raum der ganzen Raumstation“, witzelt er. Ein Scherz, den Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gleich pariert. Er plädiert für eine umfassende Kommunikation, damit nicht beim Bürger Missmut aufkomme nach dem Motto: „Wir haben hier unten so viele Probleme und ihr fliegt oben rum.“ Auch er unterstütze eine Mond-Landung, aber man müsse klarmachen, dass die technischen Ziele dazu dienten, Arbeitsplätze zu sichern und den Klimaschutz voranzubringen.
Der Schutz der Erde eint sie alle beim Raumfahrtgipfel. Astronaut Matthias Maurer schwärmt vom Anblick der Erde aus dem All. „Wenn die Sonne von der Seite die Erde beleuchtet, erkennt man diesen ganz dünnen Saum, unsere Atmosphäre. Sie sieht aus wie eine Seifenblase. Jedes Kind weiß, wie schnell sie platzt.“ Man werde sofort zum Botschafter für den Planeten Erde. Maurer und Alexander Gerst hoffen, in wenigen Jahren zum Mond fliegen zu können. Deutschland könne sich leisten, diesen Anspruch zu formulieren.
Star-Treck-Fan Söder genießt den Termin. Gefragt, ob er in den Weltraum fliegen wolle, gesteht er amüsiert: „Nur, wenn Hubert Aiwanger mitfliegt. Allein möchte ich ihn nicht in Bayern am Boden lassen, das wird mir dann zu gefährlich.“ Und so ist man ganz schnell wieder auf bayerischem Boden gelandet.
Bayern gibt weitere 50 Millionen Euro für Satelliten