Der wärmste Oktober in 141 Jahren

von Redaktion

VON CARINA ZIMNIOK

München – Jetzt ist es amtlich: Der Oktober 2022 geht in die Wettergeschichte Bayerns ein. Er war der wärmste Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Mit einer mittleren Temperatur von 12,1 Grad wurde der bisherige Rekord aus dem Oktober 2001 um 0,5 Grad übertroffen, hieß es beim Deutschen Wetterdienst. „Wir haben einen Oktober erlebt, dessen Temperaturen eher dem hierzulande typischen Mai entsprechen.“ Und gleich an vier Tagen war es so warm wie sonst im Sommer – nämlich über 25 Grad.

Der wärmste Tag im Oktober war der vergangene Samstag. An diesem 29. Oktober wurden in Wielenbach unweit des Starnberger Sees 26,5 Grad gemessen – Schattentemperatur, auf zwei Metern Höhe. So lauten die Vorgaben, damit die Wetterwerte auch vergleichbar sind, sagt Andreas Friedrich vom DWD. Besonders ungewöhnlich war, so Friedrich, dass die wärmsten Tage gegen Monatsende verzeichnet wurden. Goldene Herbsttage gibt es sonst eher in der ersten Oktoberhälfte, wenn die Tage noch länger sind.

Insgesamt durften sich die Menschen in Bayern in diesem Monat über mehr als 130 Sonnenstunden freuen. Für Kioskbetreiber wie Catherina Bertelmann, die in Ambach am Starnberger See das Café Seeliebe betreibt, bedeutete das: mehr Geschäft. An Allerheiligen hatte Bertelmann zu, aber die Tage zuvor „haben sie mich fast darennt“, sagt sie. Und weil es warm war, ging neben Kaffee und Kuchen auch Eis gut: „Am Montag habe ich mein letztes Steckerleis verkauft.“ Sie konnte den sommerlichen Oktober gut gebrauchen, der September war nämlich herbstlich kalt – da blieben die Ausflügler daheim und das Geschäft war mau. Manche Gastronomen hatten von dem sonnigen Oktoberfinale allerdings nichts: Birgit Oberhuber, die den Kiosk „Maikiki“ am Kirchsee (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) im sechsten Jahr betreibt, hat schon im kühlen September beschlossen, am 23. Oktober in die Winterpause zu gehen – jetzt sind ihr ein paar bombastische Sonnen-Tage durch die Lappen gegangen. Dafür muss sie ihren Kiosk nicht im Schneetreiben winterfest machen. „Das macht nämlich keinen Spaß“, sagt sie und lacht.

Doch die warmen Temperaturen haben auch ihre Schattenseiten. Auf der Seite des Niedrigwasser-Informationsdiensts Bayern zeigt eine Karte, dass an vielen Grundwasser-Messpunkten in Oberbayern neue Niedrigstwerte verzeichnet wurden. So zum Beispiel in Penzing, Sauerlach, Aying, Haar, Grünwald oder Hohenlinden. An den kommenden Tagen wird auch kaum Regen erwartet. Die Temperaturen bleiben zweistellig, es gibt nachts keinen Frost. Erst zum Wochenende wird es kühler, in den Alpen könnte es auch schneien – bis 1000 Meter, sagt Meteorologe Friedrich. „Höchste Zeit für Winterreifen“, sagt er. Irgendwann ist der goldene Herbst nämlich doch vorbei.

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