DAS PORTRÄT

Die Kuh-Freundin

von Redaktion

Neun Milchkühe wohnen auf dem Hof, den Regina Hasenknopf mit ihrem Freund führt. Sepp, der Gockl, wacht über 15 Hühner. Das Schoberlehen liegt weit oben am Waldrand. Bester Blick, Natur pur. Aber der Hof bedeutet harte Arbeit: Milchvieh, Ferienvermietung –und hin und wieder kommt ein Tier zum Metzger. Hofleben bedeutet harte Arbeit und keine Rücksicht auf Befindlichkeiten. Trotzdem ist das Fleckvieh für Regina Hasenknopf mehr als Fleischgeber und Milchproduzent: Jede hat einen Namen.

Der Tag startet für die gelernte Zahnarzthelferin um 4.10 Uhr, um halb fünf geht’s in den Stall. Mit der Stirnlampe holt sie die Tiere von der nebenan liegenden Weide. „Die Kühe genießen es dort“, sagt Regina Hasenknopf und streicht Leitkuh Lisl über den Kopf. Lisl erwartet in wenigen Tagen ihr Kalb, die Bäuerin freut sich auf den Nachwuchs. Auch das „Bleamei“ (Blume; Anm. d. Red.) hätte wieder trächtig werden sollen nach einer ersten schweren Geburt. Hasenknopf unterhielt sich oft mit dem Tier, eine richtige Ratschkattl, sagt sie. „Ich habe es sogar mit Weihwasser probiert und den Pfarrer angehalten, für sie zu beten.“ Doch weder das noch 27 Besamungsversuche halfen. Eine Kuh, die mehr kostet, als Nutzen bringt, ergibt für einen Landwirt keinen Sinn. Der Abschied von Bleamei fiel ihr schwer. „Ich habe so geweint“, gesteht die Kuh-Freundin. Bleamei beschäftigt die Bauersleut noch immer – auf dem Teller: „Das Fleisch ist etwas zäh“, gesteht Regina Hasenknopf.

Wenn die Landwirtin gegen 16.30 Uhr ein zweites Mal in den Stall geht, läuft Musik. „Ich brauch das.“ Bayern 1 oder Bayernwelle. Das beruhigt nicht nur die Bäuerin, sondern auch die Kühe. Wenn es den Kühen mal schlecht geht, erkennt Regina Hasenknopf das sofort: am Fell. Und wenn eine Kuh Fieber hat, verabreicht sie im Stall schon mal ein paar Globuli. Hauptsache, den Tieren geht’s gut. „Die Kühe haben ihr Leben lang alles richtig gemacht“, sagt sie. „Deshalb soll es ihnen bei mir so gut gehen wie nur möglich.“ KILIAN PFEIFFER

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