Starnberg – Seine Bücher waren Bestseller, seine Urteile über Verirrungen der deutschen Sprache waren klar und eindeutig. Wolf Schneider, bekannter Journalist, Moderator und Sprachkritiker, ist am Freitag im Alter von 97 Jahren am Starnberger See gestorben, wie seine Familie mitteilte.
Als scharfzüngiger Moderator der „NDR Talk Show“ und als früherer Leiter der Henri-Nannen-Schule war er auch weit über die Medienbranche hinaus bekannt – was nicht zuletzt an seinen Büchern lag wie „Wörter machen Leute“ oder „Deutsch für Profis“ mit Ratschlägen für klares, verständliches Deutsch.
Bei vielen angehenden Journalisten galten solche Titel jahrzehntelang als Pflichtlektüre, aber auch außerhalb der Medienbranche verkauften sich seine Attacken auf Blähwörter und unnötige Anglizismen bestens. Wer gelesen werden wolle, müsse sich plagen, war Schneiders Motto. Hatte er in früheren Jahren noch gegen Anglizismen wie T-Shirt oder Airbag gewettert, wurde er mit dem Alter in dieser Hinsicht milder. Zumindest gegen kurze, prägnante englische Lehnwörter wie „Sex“ sei nichts einzuwenden, befand er später.
2019 gehörte Schneider zu den Initiatoren eines Aufrufs des Vereins Deutsche Sprache unter der Überschrift „Schluss mit dem Gender-Unfug“. In dem Text wurden „lächerliche Sprachgebilde“ wie „die Radfahrenden“ oder „Luftpiratinnen“ aufs Korn genommen. Erst Anfang Oktober starb Schneiders Sohn, der als Rätselautor beim „SZ-Magazin“ gearbeitet hatte, bei einem Bergunglück. lby