Dachau/München – Der Machtkampf schwelt schon seit Monaten – und beherrscht den Bayerischen Jagdverband weiter. Der jüngste Akt im Streit zwischen dem im April wiedergewählten BJV-Präsident Ernst Weidenbusch und seinem damaligen Herausforderer Ernst-Ulrich Wittmann beschäftigt nun auch die Polizei. Wittmann, Chef des Dachauer Jägervereins, hat eine Anzeige gegen den Vorsitzenden und einen Beisitzer, Robert Pollner, gestellt. Der Vorwurf: Beleidigung und Bedrohung.
Wittmann beschreibt den Vorfall vom 15. Oktober so: Er sei auf der Jagdmesse in Grünau bei Neuburg an der Donau am Stand der Landfrauen gesessen „und habe mit Frau Liepelt eine Breze gegessen und Kaffee getrunken.“ Christine Liepelt ist Vorsitzende des Neuburger Jagdschutzvereins. Ein harmloses Frühstück – bis zum Eklat: „Herr Weidenbusch hat mir gesagt, dass ich mich – obwohl ich Kreisvorsitzender bin – schleichen solle.“ Wittmann blieb sitzen. Weidenbusch und Pollner hätten heftig reagiert: „Sie sind vollständig ausgerastet, haben mich wüst beschimpft.“ Als „Psychopath“ beispielsweise. „Herr Pollner konnte fast nicht an sich halten.“ Wittmann wollte das nicht auf sich sitzen lassen – er habe das Führungs-Duo angezeigt.
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt bestätigte am Freitag eine entsprechende Strafanzeige wegen Bedrohung und Beleidigung „im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung“, Namen wurde nicht genannt. Ermittlungen seien eingeleitet.
Der Jagdverband kündigt an, sich am kommenden Dienstag in einer Pressekonferenz in Feldkirchen zur Situation zu äußern. Ziel der Veranstaltung sei es – so ist der Presseeinladung zu entnehmen – „aktuelle Fragen zu beantworten und transparent zu erklären“. Jagdpräsident Ernst Weidenbusch, der für die CSU im bayerischen Landtag sitzt, weist den Vorwurf gegenüber unserer Zeitung von sich. „Ich habe von einer Anzeige keine Kenntnis und habe selbstverständlich niemanden beleidigt oder bedroht“, sagt der Politiker aus Haar.
Wittmann hingegen betont, dass er nicht das erste Mitglied sei, das vom Präsidenten beschimpft wurde. „Andere haben sich nicht getraut das öffentlich zu machen.“ Derlei Ausraster „ziehen sich wie ein roter Faden durch die Umgangsformen der beiden“. Das zeige auch ein offener Brief, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Die Absender wollen anonym bleiben, „um uns zu schützen“, wie sie schreiben. Sie seien Ex-Mitarbeiter der BJV-Geschäftsstelle und der Kreisgruppen – und erheben schwere Vorwürfe gegen den Jagdpräsidenten und den Beisitzer. „Anhand der Vorfälle von Grünau ist sichtbar geworden, welchen zwischenmenschlichen Umgang Ernst Weidenbusch und Robert Pollner an den Tag legen.“
Sie seien „gedemütigt, enttäuscht und traurig“ über die Entwicklungen. Zu ihren Erfahrungen würden Beschimpfungen, respektloser Umgang und Wutausbrüche gehören. Rund 30 Personen aus Geschäfts- oder Außenstellen sowie Projekten würden nicht mehr für den Jagdverband mit über 50 000 Mitgliedern arbeiten.