In den Supermärkten sind seit geraumer Zeit Lebkuchen, Dominosteine, Nikoläuse und Ähnliches zu haben. Geschäfte, die Kunsthandwerk anbieten, erleben einen Run auf Advent- und Weihnachtliches. Im Internet überschlagen sich Firmen samt Versandhandel mit passenden Angeboten. Alles andere ist momentan außen vor. Lichterketten finden reißenden Absatz.
Nein, es ist dieses Jahr nicht zu früh. So gut wie noch nie verstehe ich, dass man sich in dieser globalen und mentalen Finsternis nach lichtvoller Zeit sehnt. Apropos hell: In meiner Kinderzeit pflegten wir zu Hause Kerzen ins Fenster zu stellen, um an die Menschen in der damaligen DDR zu denken und Verbundenheit mit ihnen auszudrücken. Wir hatten fast sämtliche Verwandten dort und manche von ihnen waren persönlich in Gefahr. Demokratie, Freiheit, Frieden, Menschenrechte – das war daheim unser Thema und ist es weltweit nach wie vor.
Insofern gibt es reichlich Grund, Advent und Weihnachten optisch zu erhellen – ohne verschwenderisch mit Ressourcen umzugehen. Die Sorge allerdings, dass nur Weihnachten wird, wenn es überall taghell leuchtet, ist grundlos. Der mögliche Verzicht auf die übliche Lichterorgie macht nichts zunichte. Dicke, ökologische Kerzen oder umweltfreundliche Solarenergie tragen ausreichend dazu bei, Ängste und Sorgen zu erkennen, beim Namen zu nennen und sie nach Kräften anzugehen. Es wird Weihnachten, wenn Menschen wahrnehmen, was alles im Argen ist. Und inspiriert von der Geburt eines Kindes sich selbst und den Kindern und Erwachsenen dieser Welt nähern. Es ist nicht zu früh, darüber nachzudenken. In zwei Wochen haben wir schon den ersten Advent.
Und wenn es auch klar ist, dass weder Essen und Trinken noch stimmungsvolle Deko oder Lichtinstallationen wirklich auf die Vorweihnachtszeit und das Fest der Feste vorbereiten oder gar das Elend vergessen machen können, mit dem wir allenthalben konfrontiert sind: Die Seele braucht einfach Verschnaufpausen. Sie braucht, eingekrampft, zerknittert, wie sie ist, Raum, um sich auszubreiten. Der flache Atem muss tief und ruhig werden, damit wenigstens zeitweise innerer Frieden einkehrt. Der kommende Advent ist so lang, wie er nur sein kann – vier Wochen. Insofern empfiehlt es sich jetzt schon, nicht allein ausreichend materielle Vorräte an Süßem, Hölzernem und Hellem anzuschaffen. Sondern rechtzeitig die eigenen inneren Vorbereitungen zu treffen. Vorschlag für ein Minimalprogramm: schweigen, lesen, ins Kerzenlicht schauen. Jeden Tag eine ganze Stunde, wenigstens eine halbe, nur für sich allein einplanen – um wirklich Mensch zu sein oder wieder zu werden.