München – Bayern will dem wegen der Miesbacher Sparkassenaffäre verurteilten ehemaligen Landrat Jakob Kreidl die Pension streichen. Die Landesanwaltschaft hat am Freitag Disziplinarklage gegen ihn erhoben, wie ein Sprecher sagte. Ziel sei die „Aberkennung des Ruhegehalts“. Mit der Aberkennung des Ruhegehalts würde Kreidl nicht nur den Anspruch auf Versorgung verlieren, sondern auch die Befugnis, die Amtsbezeichnung im Sinne von „ehemaliger Landrat des Landkreises Miesbach“ zu führen, erklärte Oberlandesanwalt Robert Kirchmaier.
Das Landgericht München II hatte den früheren CSU-Landrat im Mai dieses Jahres auch in einem zweiten Prozess wegen Untreue verurteilt, ebenso wie den ehemaligen Vorstandschef der Sparkasse Miesbach-Tegernsee, Georg Bromme. Der frühere Sparkassen-Aufsichtsratschef Kreidl bekam – wie im ersten Prozess – elf Monate Haft auf Bewährung, Bromme ein Jahr und acht Monate. Beiden erlegte das Gericht gemeinnützige Arbeit auf: 300 Stunden für Bromme, 200 für Kreidl.
Der lockere Umgang mit den Sparkassen-Geldern hatte vor knapp zehn Jahren erheblich für Wirbel gesorgt. Für zehntausende Euro reiste man in Fünf-Sterne-Hotels und genoss einen „James-Bond-Ausflug“ mit Gondelfahrt. Dass das Gebaren der Sparkassen-Verwaltungsräte vielleicht nicht ganz korrekt war, hätte den Angeklagten schon bewusst sein können – zumindest hätten sie selbst gewisse Zweifel daran gehabt, ob der Umfang noch angemessen war, sagte die Vorsitzende Richterin im Mai in der Urteilsbegründung.
Die Vorwürfe trugen maßgeblich dazu bei, dass der frühere Landtagsabgeordnete bei der Landtagswahl 2014 nach nur einer Amtsperiode als Landrat abgewählt wurde.
Am heutigen Dienstag kommt es vor dem Verwaltungsgericht München zu zwei weiteren Prozessen im Zusammenhang mit der Sparkassen-Affäre. Dabei geht es um die Kürzung der Dienst- und Ruhestandsbezüge von zwei Verwaltungsratsmitgliedern der Sparkasse, gegen die rechtskräftige Strafbefehle wegen Untreue ergangen sind. Der Prozess ist laut Pressestelle „die erste disziplinarische Aufarbeitung des damaligen Spenden- und Sponsoringverhaltens der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und deren Verwaltungsratsfahrten zwischen 2011 und 2013“. lby/ddy/wal