Die Bayern und ihr riskantes Hobby

von Redaktion

Nach dem Neuer-Unfall: DAV-Experte über Gefahren beim Skitourengehen

München – Am Spitzing im Kreis Miesbach ist Manuel Neuer am Freitag bei einer Skitour gestürzt. Der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft hat sich dabei den Unterschenkel gebrochen. Thomas Bucher ist Tourenski-Experte beim Deutschen Alpenverein und kennt die Gefahren der Sportart. Hier verrät der 54-Jährige, wie man sich richtig vorbereitet – und warum Skitouren Trend sind.

Skitourengehen gibt es in zwei Varianten

Skitouren in freiem Gelände, so wie am steilen Roßkopf-Südhang, wo Manuel Neuer unterwegs war, unterscheiden sich stark von denen auf präparierten Pisten. „Auf der Piste gibt es auch bei wenig Schnee keine Felsen, lehmigen Stellen oder quer liegende Bäume“, sagt Bucher. Hat ein Skigebiet geöffnet, sind die Pisten auch für Skitourengeher lawinengesichert. „Erst Fitness, dann Einkehren und später eine tolle Abfahrt – das macht den Sport so beliebt.“

Vorbereitung ist am wichtigsten

Wer aber fernab der Pisten unterwegs ist, muss Ahnung haben: Anfänger sollten immer nur mit Erfahrenen losziehen. Im Gelände muss die Tour ausführlich geplant sowie die Lawinengefahr geprüft und vor Ort richtig eingeschätzt werden. Neben der richtigen Ausrüstung sollten auch ein Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde, Schaufel, sowie ein Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Handy mitgeführt werden. Ein Airbag-System erhöht die Überlebenschancen im Notfall.

Stürze als häufigste Unfallursache

„Wie bei Neuer sind Stürze bei der Abfahrt die häufigste Unfallursache auf Skitouren – Lawinen liegen weit dahinter“, sagt Bucher. Bei gefrorener Schneedecke und in felsdurchsetztem Gelände sind gebrochene Arme und Beine für Bergretter Alltag. „Gute Technik und angepasste Geschwindigkeit reduzieren das Risiko. Und ein Helm schützt vor Kopfverletzungen.“

Diese Gebiete in der Region sind beliebt

Zu Saisonbeginn treibt es viele Skitourengeher ins österreichische Kleinwalsertal. In Bayern liegt im Allgäu, etwa am Riedberger Horn, meist zuerst genug Schnee. „Inzwischen passen die Bedingungen mit etwa 25 Zentimetern Schnee auch hier“, sagt Bucher. Die Skigebiete Spitzingsee, Brauneck, Zugspitze oder auch das Skigebiet am Kolben in Oberammergau sind bei Skitourengehern beliebt.

Konflikte auf der Piste vermeiden

„Skitourengeher werden von den Pisten nicht mehr verschwinden. Also müssen die Interessensgegensätze gesehen werden“, sagt Bucher. Weil Skitourengeher kostenlos von den Pisten „profitieren“, haben nun erste Betreiber neue Park-Gebühren eingeführt. Wer etwa am Spitzing keine Liftkarte hat, zahlt 15 Euro. Sonst gilt für Tourengeher: Nur am Pistenrand aufsteigen und sie nicht an unübersichtlichen Stellen queren. Sind sie frisch präpariert, am Rand abfahren. In der Nacht Stirnlampe tragen. Zudem gilt: Sperren beachten. Bei Pistenarbeiten sind Seilwinden im Einsatz, die Tourengeher verletzen können.

Mehr Kinder probieren den Sport aus

Erste Hersteller, etwa Dynafit, bieten schon Komplett-Sets mit Ski, Bindung und Fellen für Kinder an. „Aber auch, dass Ausrüstung aus zweiter Hand bei Ebay wahnsinnig schnell weggeht, zeigt, dass die Nachfrage steigt“, sagt Bucher. Wichtig: Die Fitness der Kinder kennen, Anfänger-Touren wählen, realistisch Zeit einplanen und genug Wasser und Brotzeit mitnehmen.

Tourenskigehen als Trendsportart

„In den letzten 20 Jahren haben immer mehr Menschen mit dem Skitourengehen angefangen“, sagt Bucher. „Der DAV schätzt, dass es in Deutschland rund 600 000 gibt.“ Bucher hat den Sport mit zehn gelernt. „Wir waren damals in den Ammergauer Alpen quasi allein unterwegs.“ Da wegen der Pandemie Skilifte lange geschlossen waren, sind noch mehr Leute auf den Sport umgestiegen. Wegen der Energiekrise rechnet der DAV damit, dass sich der Trend fortsetzt: „Für Familien könnten die Skipässe heuer zu teuer sein.“  sco

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