Drei Jahre Verspätung für NS-Dokumentation

von Redaktion

Wegen Lieferengpässen wird das Museum am Obersalzberg wohl erst Ende 2023 wieder öffnen

Berchtesgaden – Die Eröffnung des Erweiterungsbaus für die NS-Dokumentation am Obersalzberg wird sich abermals verzögern: Die Inbetriebnahme soll nun frühestens „im Herbst 2023 erfolgen“, teilte eine Sprecherin des bayerischen Finanzministeriums auf Nachfrage mit. Der Grund: Lieferengpässe für diverse Materialien.

Als Markus Söder im Jahr 2017 noch bayerischer Finanzminister war, hatte er bei der Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus am Obersalzberg einen klaren Fahrplan vor Augen. „Das Richtfest sollte „vor September 2018“ stattfinden, die Fertigstellung war für 2020 geplant. Das ehemalige Führersperrgebiet Obersalzberg gilt als Täterort, an dem Hitler weitreichende Entscheidungen traf. In der künftigen Ausstellung soll auch die Ortsgeschichte des Obersalzbergs in der NS-Zeit im Mittelpunkt stehen.

Doch die Wiedereröffnung des Museums liegt ferner denn je. „Bedauerlicherweise verursachen die aktuellen Lieferengpässe für diverse Materialien Verzögerungen beim Einbau der neuen Dauerausstellung in den Erweiterungsbau“, weiß das Finanzministerium. Schon vor Monaten hatte der Leiter der Dokumentation, Sven Keller, die Engpässe ins Feld geführt. Damals ging er von einer Eröffnung im Frühjahr 2023 aus. Der Termin ist nicht mehr zu halten. Innenausbau sowie der Einbau der neuen Dauerausstellung sind im Verzug. Aus dem Umfeld der Doku heißt es: „Wäre die Dokumentation ein Wirtschaftsunternehmen, wäre sie schon längst pleite.“ Die Kosten betragen mindestens 30,1 Millionen Euro. „Eine Aussage, ob der Kostenrahmen eingehalten werden kann, ist erst nach Vorlage und finaler Prüfung aller Forderungen und der Aufarbeitung aller Sachverhalte möglich“, erklärt das Ministerium.

Die alte Dokumentation, die bis zu 170 000 Besuchern pro Jahr hatte, ist seit knapp einem Jahr geschlossen – zum Unverständnis mancher Touristen, die vor verschlossenen Türen stehen. Es sei erforderlich gewesen, „die Ausstellung im Bestandsgebäude Anfang 2022 abzubauen, damit der Umbau des Bestandsgebäudes rechtzeitig beginnen konnte“, teilt das Ministerium mit. KILIAN PFEIFFER

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