„Musizieren macht glücklich“

von Redaktion

Harfenistin Franziska Eimer über den Trend zur Stubenmusi

Neufahrn – Es ist wieder so weit: In der Advents- und Weihnachtszeit kramen viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Blockflöten, Geigen und Blasinstrumente hervor. Häusliches Musizieren gehört in der staden Zeit für viele dazu. Gefühlt nimmt die Zahl derer, die für den Hausgebrauch musizieren, aber generell zu. Diesen Eindruck hat auch Harfenistin Franziska Eimer aus Neufahrn im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „Musizieren macht halt glücklich.“

Bei Eimers zu Hause war die Musik allgegenwärtig. Ihr Vater ist der Harfenist Franz Eimer; Gerhard Polt und die Gebrüder Well waren regelmäßig zu Gast. „So bin ich groß geworden“, erzählt sie. Beim gemeinsamen Musizieren entstehe so viel: Freundschaften und neue Musikstücke. „Man muss offen sein – auch für neue Einflüsse.“ Musizieren, das sei eigentlich für jeden geeignet, weil es „Nahrung für die Seele“ ist.

Doch Franziska Eimer hielt Musikmachen nicht immer für toll. „Im Teenageralter fand ich meine Harfe ziemlich uncool – und hab sie in die Ecke gestellt“, erinnert sie sich. Mit Mitte 20 hat sie ihr Instrument wieder hervorgekramt. „Meine Clique hat mich wieder dazu gebracht.“ Beim Musikantenstammtisch hat sie ihre Liebe zur Wirtshaus- und Hausmusik wiederentdeckt. Inzwischen ist es sogar Berufung und Beruf.

Wirtshausmusik oder Wirtshaussingen erlebt ebenfalls eine Renaissance: Vornehmlich in Dorfkneipen, aber auch in hippen Großstadtlokalen wird wieder mehr live musiziert und dazu gesungen und getanzt. „Es gibt da eine gewisse Rückbesinnung“, sagt Eimer. Dabei mische sich Traditionelles mit Neuem – der oberbayerische Ländler bekomme während des Musizierens etwa südafrikanische Einflüsse.

Franz Josef Schramm vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege sagt, es sei nicht ganz einfach zu sagen, ob es einen Trend zur Hausmusik gebe. Schließlich werde die „nicht öffentlich präsentiert, sodass man keinen Einblick in das Geschehen hat“. Dazu bräuchte es Feldforschung, die gebe es aber nicht. Auch die Abgrenzung sei schwierig: Ist Hausmusik alles, was zu Hause stattfindet – oder nur häusliche Volksmusik?

Was Schramm sagen kann: Familien, die zu den Volksmusik-Workshops kommen, musizieren auch häufig zu Hause. „Das war aber schon immer so.“ Ein Trend lasse sich nicht ableiten. „Und natürlich handelt es sich hier um eine kleine Minderheit“ gemessen an der Gesamtbevölkerung. Zähle man das private Singen, das häusliche Streichquartett und die Jungs und Mädels an E-Gitarre und Schlagzeug dazu, sehe es schon wieder anders aus.

Für diese Sicht plädiert auch Eimer – denn so hat sie nach dem Teenager-Tief zurück zur Musik gefunden. Nach den Wirtshaus-Anfängen wurde bei ihr daraus schnell mehr: Inzwischen stand sie schon mehrfach mit Musikgrößen wie Konstantin Wecker oder den Sportfreunden Stiller auf der Bühne. Und nach wie vor ist sie beim Musikantentreff im Münchner Hofbräuhaus dabei.  epd

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