Die gefährliche Seite des Winters

von Redaktion

220 Autounfälle in Oberbayern-Nord – Fußgänger in Murnau stürzt und stirbt

Demolierte Autos, Verletzte, ausgefallene Flieger und stehengebliebene Züge brachten die Einsatzkräfte an ihre Grenzen – die Glatteis-Bilanz klingt gesalzen. Die Meteorologen warnen, dass es mit Glatteis und Schnee noch nicht vorbei ist.

Unfälle

Südbayern war Unfallschwerpunkt, allein das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord berichtete von 220 Verkehrsunfällen innerhalb von 24 Stunden. 30 Personen wurden verletzt, ein 23-Jähriger starb auf der B 471 (wir berichteten), wobei hier nicht klar ist, ob Glätte die Hauptursache des Unfalls war. Auf der A 9 zwischen Eching und Freimann und A 99 um Feldmoching kam es zu über einem Dutzend Unfällen mit 23 beteiligten Fahrzeugen. Auf der A8 kam ein Lkw am Donnerstag um 1.20 Uhr bei Odelzhausen (Kreis Dachau) ins Schlingern. Der Lkw-Anhänger kippte um. Der Fahrer blieb bei dem Unfall unverletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Auf der A 93 bei Brannenburg (Kreis Rosenheim) überschlug sich ein mit einem Auto beladener Anhänger – die Autobahn war gegen 8 Uhr gestern Richtung Kufstein komplett gesperrt. Auf der A 94 bei Töging gab es gestern Mittag bei einem Unfall mehrere Schwerverletzte.

Am Murnauer Untermarkt stürzte bereits am Mittwoch ein 79-Jähriger auf einem glatten, leicht abschüssigen Gehweg. Er wurde bewusstlos. Obwohl sich Passanten um den Mann kümmerten und ihn ein Notarzt unter laufenden Reanimationsmaßnahmen in die Klinik einlieferte, verstarb der Senior. Es wird geprüft, ob gegen die Streupflicht verstoßen wurde. Viele Krankenhäuser berichteten über Dutzende von Glatteis-Unfällen – Handgelenksfrakturen und Beinbrüche waren die häufigsten Verletzungen. Am Krankenhaus Erding konnten die drei Ärzte der Tagschicht nicht wie üblich bis 18 Uhr heimgehen, sondern mussten weiter operieren. Eine Ärztin blieb nicht wie üblich bis 21, sondern bis 1.30 Uhr, sagt Klinik-Sprecher Markus Hautmann.

Bahn

Das britische Unternehmen Go-Ahead ist erst seit Sonntag auf der Strecke München–Augsburg mit Weiterführung nach Donauwörth/Ulm unterwegs – und der Neuling wurde bös erwischt. Gleich neun Züge blieben Mittwochnacht auf freier Strecke liegen. Bei Mering konnten 60 Fahrgäste erst nach über drei Stunden befreit werden, berichtet Go-Ahead-Chef Fabian Amini zerknirscht. Eine von hunderten Betroffenen eines Pannen-Zugs war Anna Teichmann (17) aus Fischach (Landkreis Augsburg). „Sie war auf dem Nachhauseweg von der Schule in Augsburg, als der Zug ausfiel“, berichtet ihr Vater Hubert Teichmann. Nach langer Warterei flüchtete seine Tochter schließlich in den benachbarten Rewe, um sich aufzuwärmen. Als Hubert Teichmann schließlich seine Tochter mit dem Auto abholte, „sah man viele Schüler, die umherirrten und nicht wussten, wie es weitergeht“.

Grund der „Liegenbleiber“, wie Amini die Pannen-Züge nennt: In den Leitungen der Stromabnehmer, die per Luftdruck an die Oberleitung gepresst werden, hatte sich Wasser angesammelt. Dadurch senkten sich die Abnehmer und der Zug blieb ohne Strom stehen. Es handelt sich um nagelneue Züge von Siemens Mobility. Insgesamt 13 Züge (von 56) mussten in die Werkstatt. In den kommenden Tagen soll ein Pendelverkehr zwischen den Hauptknotenpunkten fahren.

Flughafen

Am Flughafen München lief es auch gestern noch zäh, nachdem am Mittwoch 240 Flüge gestrichen werden mussten, wie FMG-Sprecher Florian Steuer berichtet. Es gab Verspätungen und weitere 100 Annullierungen.

Die Aussichten

Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge muss in der Nacht zum Freitag südlich der Donau erneut mit gefrierendem Regen und Glatteis-Bildung gerechnet werden. „Unwetter ist möglich“, hieß es vom DWD.  ham/we/lby/dw

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