München – Den Sozialverband VdK erreichen zurzeit viele verzweifelte E-Mails. Zum Beispiel von einem Mann mit 1500 Euro Rente. Er hat in seinem Haus eine Fußbodenheizung – seine Heizkosten haben sich auf 6200 Euro fast verdreifacht. Oder von einem Mann, der in einer Wohnung mit Nachtsparheizung lebt. Seine Stromkosten sind nun höher als die Miete. „Ministerpräsident Markus Söder darf die Menschen jetzt nicht enttäuschen, die akut verzweifeln, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können“, sagte die VdK-Präsidentin Verena Bentele und forderte von der Staatsregierung das klare Signal, dass niemand im Winter frieren müsse. „Es muss garantiert werden, dass niemandem die Heizung oder der Strom abgestellt oder der Mietvertrag gekündigt wird“, forderte sie am Donnerstag, als der VdK in München Jahresbilanz zog. Ein echter Härtefallfonds wäre ein Moratorium von mindestens sechs Monaten und staatliche Hilfen in Vorleistung. Bentele hat Vorschläge, wie das finanziert werden kann: mit einer Übergewinnsteuer, einer Anhebung des Spitzensteuersatzes, der Wiedereinführung der Vermögenssteuer oder einer einmaligen Vermögensabgabe für Superreiche.
Die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher äußerte sich klar zu den neuen Forderungen nach einer Anhebung des Renteneintrittsalters: „Das wird es mit dem VdK nicht geben.“ Dadurch würde die Altersarmut in Bayern noch größer. Der Freistaat sei auf den demografischen Wandel ohnehin nicht gut vorbereitet, betonte sie. Als Beispiele nannte sie die Lücken im ÖPNV, gerade in ländlichen Regionen, oder die mangelnde Barrierefreiheit – zum Beispiel in Arztpraxen.
Mascher kündigte bei der Jahresversammlung auch an, bei der nächsten Wahl nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden zu kandidieren. Die 84-Jährige ist seit 2006 im Amt. Als Nachfolgerin auf Landesebene schlug sie Verena Bentele (40) vor. Der VdK hat aktuell 781 300 Mitglieder – so viele wie nie. kwo