„Er ist fast jeden Tag da“

von Redaktion

Ein Teichwirt wird vom Fischotter heimgesucht – und verzweifelt

Bischofswiesen – Im Schnee sind die frischen Fischotterspuren noch gut zu sehen. „Er ist fast jeden Tag da“, sagt Thomas Resch, Teichwirt und 2. Bürgermeister von Bischofswiesen. In der 19 Becken umfassenden Fischzucht Stanggaß gedeihen 40 000 Regenbogenforellen, von der Brut bis zum ausgewachsenen Fisch. Mehrere Becken sind gesperrt, weil die Forellen hier für den Otter wie auf dem Präsentierteller liegen. „Der Räuber ist schlau“, sagt Landwirt Resch, „der Schaden groß.“

Die kleine Rutschbahn im Schnee führt direkt ins Wasser. „Das war der Fischotter“, sagt er. „Beim Rutschen hat er Spaß.“ Gemeinsam mit seiner Ex-Frau Veronika führt er die Fischzucht. Das Geschäft gilt als schwierig, auch wenn die Nachfrage nach Fisch allgemein groß ist. Die bürokratischen Auflagen, mit denen Teichwirte konfrontiert sind, seien gewaltig, sagt Resch. Eine Sache, die erschwerend hinzu kommt, nähert sich auf krallenbewehrten Pfoten: Seit nunmehr zwei Jahren kommt der Fischotter zu Besuch. Eine vierstellige Anzahl an Fischen hat er bereits getötet. Anfangs fiel es Resch nicht mal auf. Denn ein Blutbad hinterließ der Fischotter nicht. Er „arbeitete“ sauber und ohne Spuren: Bis der Bestand in einem der Becken augenscheinlich schrumpfte. Bei einem Otterschaden bekommt der Teichwirt zwar eine Entschädigung, aber die reicht bei Weitem nicht aus, um den Ausfall zu kompensieren. Resch hat Sorge, dass sich solche Vorfälle wiederholen. Untätig an der Seite des Fischotters zu leben, sei wie ein „betriebswirtschaftlicher Selbstmord“, sagt er. Das Problem: Angekündigte EU-Förderungen zum Schutz der Becken lassen auf sich warten. „Wenn ich jetzt selbst Geld in weitere Schutzmaßnahmen stecke, kann es sein, dass morgen alles wieder anders ist“, sagt er. „Ich sitze mit den Almbauern, die gegen den Wolf aufbegehren, im selben Boot.“

Die Zahlen der Fischzucht klingen auf den ersten Blick gut: Zehntausende Brütlinge und Sömmerlinge – Forellen, die weniger als ein Jahr alt sind – gedeihen in weitestgehender Dunkelheit im Keller. Rund 20 Monate dauert es, bis ein Fisch schlachtreif ist. Reschs Kunden sind zum großen Teil Gastronomen aus der Region. Doch der Otter funkt immer wieder dazwischen. „So kann das nicht weitergehen“, sagt Resch und erwartet sich politische Unterstützung. Denn der Fischotter ist streng geschützt. Eine einfache Entnahme hätte strafrechtliche Konsequenzen. KILIAN PFEIFFER

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