Waren Sie im Urlaub oder auf Kur schon mal in Bad Soden am Taunus? Oder in Bad Sooden-Allendorf? Nicht zu vergessen: Bad Soden-Salmünster am Nordrand des Spessarts. Alles sind Orte mit einer salzhaltigen Quelle und alle in Hessen gelegen. Sot und auch sodes stand einst für einen Brunnen oder eine Quelle. Und raten Sie mal, wie derjenige bezeichnet wurde, der aus diesen Orten stammte oder neben einer solchen Quelle wohnte? Genau – der Söder war das.
Die meisten mit jenem Nachnamen tummeln sich zwischen Bad Kissingen und der Rhön. Und so mag sich die fränkische Herkunft des Markus Söder nochmals verfestigen, da sein Stammvater wohl aus dieser Gegend kam.
Aber blicken wir doch mal auf die letzten „nicht-fränkischen“ Oberhäupter in der Staatskanzlei. Ein Quartett mit vier Buben läge dann vor uns auf dem Tisch, die allesamt ebenfalls mit dem Buchstaben S beginnen.
Beim Strauß (im Kreis Donau-Ries kommt der am häufigsten vor) gibt es verschiedene Varianten: Das mittelhochdeutsche struz stand für den Vogel, aber auch für Streit oder Gefecht. Er kann also dem Tier geähnelt oder gar, ganz extravagant, eine Straußenfeder als Hutschmuck getragen haben. Oder er war eine streitbare Person oder einer, der neben einem auffälligen Strauch wohnte. Dieser hieß nämlich früher strûç.
Eine grundsätzliche Anmerkung dazu: Bei der Entstehung des Neuhochdeutschen, der heutigen Sprache, die sich um die Mitte des letzten Jahrtausends ausbildete, bürgerte sich ein Lautwandel ein, der Vokale immer seltener alleine stehen ließ. So wurde – Dialekte ausgenommen – aus dem hus das Haus oder aus min mein. Das nennt sich Diphthongierung.
Und auf diesem Weg wurde aus dem alleine stehenden „a“ ein „au“. Beim Streibl – Hochburg ist hier ja das Berchtesgadener Land – wurde wohl aus einem „u“ ein „ei“. Hier steht das Wort strube für eine struppige Person Pate – heute ein Synonym für jemanden, der seine zumeist langen Haare nicht im Griff hat und mit unordentlicher Frisur auffällt. Damals ging es darum, dass die Haare borstig empor standen, was wohl eher für eine Kurzhaarfrisur sprechen dürfte.
Der Stoiber hingegen war einer, der Staub aufwirbelte. Das kann auf den Charakter gemünzt gewesen sein oder auf die Haltung eines Jagd-hundes, dessen Aufgabe es war, möglichst gründlich in Dickichten nach Wild zu suchen und die Nase tief im Waldboden zu vergraben.
Im Bairischen stand das Wort „Staub“ außerdem für einen Wasserfall. Als Staubbach wurde einst der Gebirgsfluss bezeichnet, dessen unruhiges Wasser eine Gischt verursachte, also quasi aus der Sicht der damaligen Menschen zu Staub wurde. Der Wasserfall war dann der Zerstäuber schlechthin.
Wer in Miesbach wohnt, könnte sich gar noch vorstellen, dass der Stoiber schlicht der Bewohner von Stoib war – einem kleinem Weiler und heutigen Ortsteil südwestlich gelegen. Doch anhand der Namensverteilung (der Schwerpunkt liegt in Cham, Regen und Deggendorf) ist dies eher auszuschließen.
Am wahrscheinlichsten beim Nachnamen Stoiber ist schlussendlich, dass er auf einen Müller zurückgeht, dessen Staubwolke nach einem Mahlvorgang das ganze Dorf quasi einnebelte. Oder einen Bäcker, der ebenfalls immer eine Menge Getreidestaub hinterließ.
Am Schluss kommen wir noch zum Seehofer. Er erklärt sich netterweise von selbst. Deutschlandweit gibt es um Kelheim die meisten Seehofers. Hier mag wohl das kleine Gehöft, das südlich von Bad Abbach an der A 93 liegt, den Namen geprägt haben. Oder es war eben doch nur der schlichte Besitzer eines Bauerngutes an einem Weiher.