München – Ferdinand Meiler wundert sich schon lange nicht mehr über die Schneelage in den Weihnachtsferien. „Alles normal“, sagt der Juniorchef des kleinen Steckenberglifts bei Unterammergau. Normal heißt: „Alles grün, bis rauf“, sagt Meiler. In der Nacht auf Dienstag hat es zwar geschneit, zwei bis drei Zentimeter, schätzt er – „aber man sieht das Gras überall durch“. Sogar oben auf dem 1686 Meter hohen Laber. Skifahren, das geht am Steckenberg aktuell nur an zwei Tellerliften und einem Seillift im Anfängerbereich. Die Schneebänder dort konnten sie vorbereiten, als es kürzlich kalt genug für die Beschneiungsanlagen war.
Schneekanonen in den oberbayerischen Skigebieten – das ist stets ein Aufreger, aber mitten in der Klimakrise ganz besonders. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich zu Beginn der Saison energisch für Beschneiung ausgesprochen. Hier dürfe man gar keine Grundsatzdebatte aufkommen lassen. Denn ohne Beschneiung würden die Menschen ins Ausland fahren, was am Ende für mehr CO2-Ausstoß sorge. Die Skigebiete hatten angekündigt, Energie zu sparen und nur so viel Kunstschnee wie unbedingt nötig zu produzieren. Wie sieht es also aus mit Wintersport in der Region?
Wenn Verena Tanzer von der Bayerischen Zugspitzbahn aus dem Büro schaut, direkt neben der Zahnradbahn in Garmisch-Partenkirchen, sieht sie viel Grün. „Aber ab der Hälfte der Talabfahrten ist der Wald angezuckert“, sagt Tanzer – und über 1000 Metern schneite es am Dienstagvormittag sogar im Gebiet Garmisch-Classic, zu dem Alpspitze, Kreuzeck und Hausberg gehören. Auf der Zugspitze, die natürlich eine Sonderstellung hat, brachte die Nacht sogar 40 Zentimeter Neuschnee. Dort musste die Pistenraupe morgens die Terrasse am Restaurant räumen. Und ein Blick auf den Pistenplan von Garmisch-Classic zeigt, dass die meisten Abfahrten geöffnet sind – sogar ins Tal führen drei, nämlich Kandahar-, Olympia- und Kochelbergabfahrt. Doch die Schneekanonen stehen still. „Wir beschneien im Moment gar nicht, das macht null Sinn“, sagt Tanzer. Der Grund: Es ist zu warm. Fünf Grad zur Mittagszeit – „das ist einfach zvui“, sagt Tanzer. Erst ab minus fünf Grad funktionieren die Schneekanonen. Weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit müssen auch noch stimmen, bevor man Schneekanonen anwerfen kann.
Und doch hat die Beschneiung schon viel gebracht, sagt Tanzer. „Wir profitieren immer noch von den sehr kalten Temperaturen Mitte Dezember“, sagt sie. „Da konnten wir viel Schnee herstellen.“ Das Gemisch aus Natur- und Kunstschnee wurde durch das Präparieren so kompakt, dass es jetzt auch dem Regen und Plusgraden der vergangenen Tage standgehalten habe, so Tanzer.
Auch bei Alpen Plus ist man froh über die Schneevorräte. Denn auch am zugehörigen Brauneck, Wallberg, Spitzingsee und Sudelfeld müssen die Schneekanonen gerade stillstehen. Antonia Asenstorfer berichtet, dass Regen und Wind den Pisten stellenweise etwas zugesetzt haben – aber am Spitzing und Sudelfeld seien die Abfahrten „gut beinander“, die Talabfahrten sind auf. Auch am Brauneck wedelt man noch ins Tal – „aber da müssen wir die Tage schauen, wie es weitergeht“.
Am Königssee wären die Verantwortlichen der Jennerbahn froh um diese Verhältnisse. „Wir haben alles probiert, aber jetzt geht es nicht mehr“, sagt Thomas Hettegger von der Berchtesgadener Bergbahn AG. An Silvester wird der Skibetrieb wieder eingestellt, denn die schmalen Schneebahnen schwinden schnell. Der Kunstschneevorrat dort hat die milden Temperaturen nicht überstanden. Zehn Millionen Euro müsste man investieren, um die Beschneiung zu modernisieren, sagt Hettegger. Mehr Kanonen und mehr Wasser wären notwendig. „Einen Kühlturm haben wir leider nicht.“ Ein solcher wäre aber notwendig, um das Wasser des Speichersees runterzukühlen. Dann könnte auch bei höheren Temperaturen besser beschneit werden. In Zeiten von Energiekrise ist daran nicht zu denken. Außerdem: „Wer soll das bezahlen?“ Auch das Roßfeld in Berchtesgaden hat bereits zu – wegen Tauwetter. Und am Hochschwarzeck, wo man nur auf Naturschnee setzt, ist der Saisonstart verschoben.
Eine ähnliche Lage herrscht im Bayerischen Wald. Am Großen Arber, mit 1455 Metern höchster Berg der Region, mussten sie den Saisonstart ebenfalls verschieben. Die Pisten seien bestens vorbereitet worden, heißt es auf der Internetseite. Man bitte jedoch um Verständnis, „dass wir gegen sechs Tage Regen und Temperaturen bis zu 7 Grad selbst mit größtem Einsatz unserer Mitarbeiter und auch mit unserer sehr guten Technik keine Chance hatten“. Die Gondelbahn ist für Fußgänger jedoch geöffnet, schreiben die Betreiber – „es soll ja sonnig werden“.