Zwei Glücksboten unter einem Dach

von Redaktion

Maximilian Niedermaier (15) tritt in die Fußstapfen seines Vaters – und wird Kaminkehrer

VON DOMINIK STALLEIN

Jakobneuharting – Manchmal wird Maximilian Niedermaier (15) von Fremden gebeten, sie anzufassen. Sein Vater kennt das Phänomen. Seit über 20 Jahren fungiert Martin Niedermaier als Glücksbringer. Vater und Sohn aus Jakobneuharting im Landkreis Ebersberg arbeiten als Kaminkehrer, Maximilian hat sich mit der Ausbildung einen Kindheitstraum erfüllt.

Schon kurz nach der Einschulung war sich der kleine Maxi sicher, was er machen möchte. Bis heute hat sich das nicht geändert. „Ich wollte nie etwas anderes als Kaminkehrer werden“, sagt er. Ein Bürojob war schnell aus dem Rennen. „Ich kann nicht acht Stunden lang herumsitzen – da werde ich hibbelig und ich will mich bewegen.“ In den Praktikumswochen seiner Schulzeit begleitete er seinen Vater oder dessen Kollegen aus anderen Betrieben. „Ich mochte den Kontakt mit den Menschen“, erinnert er sich. Am 1. September dieses Jahres begann seine Lehre in einem Betrieb, der für den Bezirk Glonn zuständig ist, sein Vater prüft die Kamine in Baiern, dem Nachbarbezirk.

In seinem Job besucht der 15-Jährige jeden Tag viele Haushalte – so wie sein Vater. „Alleine heute war ich in 20 Häusern“, sagt der 44-Jährige. Einige davon besucht er seit Jahren. Er weiß, wann die Bewohner in die Arbeit gehen, wie sie leben, sieht, wie ihre Kinder aufwachsen. „Wir lernen die Leute wirklich kennen“, sagt er. Und sie sorgen für die Sicherheit der Menschen. Daher kommt auch der Glaube daran, dass Schornsteinfeger Glück bringen. „Kaminkehrer sind in die Städte gegangen, die eng bebaut waren“, erklärt Vater Martin Niedermaier. In Zeiten, in denen Wohnhäuser vor allem aus Holz gebaut wurden, war die dichte Bebauung ein Risiko. „Wenn es in einem Haus ein Feuer gegeben hat, sind ganze Straßenzüge niedergebrannt.“ Die Schornsteinfeger prüften die Sicherheit von Kaminen und Öfen und konnten wohl in vielen Fällen vorbeugen – zumindest waren Brandkatastrophen deutlich seltener, wenn ein Kaminkehrer im Ort lebte.

Noch heute sind Sicherheitsprüfungen ein Hauptbestandteil der Arbeit: „Wir nehmen neue Geräte ab und kontrollieren alles.“ Der Kaminkehrer von heute kennt sich mit Abgasleitungen, Heizungen, Lüftungen, Öfen und natürlich mit Schornsteinen aus. Er ist ein Sicherheits-Dienstleister. Die Kunden wissen das. „Unser Beruf hat ein gutes Ansehen“, sagt Vater Niedermaier.

Ob das am Ruf als Glücksbote liegt, weiß Niedermaier nicht. Aber immer wieder begegnet dem Duo dieser Aberglaube. „Manchmal fragen mich die Leute, ob sie mir die Hand schütteln dürfen“, sagt Maxi Niedermaier. Er kommt dem Wunsch meist nach. Sein Vater musste schon einmal auf einem Lotto-Schein unterschreiben. „Den Mann habe ich danach nie wieder gesehen“, erinnert sich der 44-Jährige. „Vielleicht hat’s ja funktioniert.“

Er ist stolz darauf, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt. Auch seine Frau ist froh über die Entscheidung ihres 15-jährigen Sohnes. Anders könnte es ja nicht sein: Zwei Glücksboten wohnen unter ihrem Dach. „Ich glaube, es gibt nicht viele glücklichere Menschen“, sagt sie.

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