Frühlingsgefühle an Neujahr

von Redaktion

2022 geht mit Rekord-Temperatur zu Ende: 20,8 Grad in Wielenbach

Wielenbach/München – 2022 war wettertechnisch ein Rekordjahr – und es ist konsequenterweise auch mit einem Rekord zu Ende gegangen. 20,8 Grad wurden am Silvesternachmittag in Wielenbach im Kreis Weilheim-Schongau gemessen. So warm war es gestern nirgendwo sonst in Deutschland – und so warm war es auch noch nie an einem 31. Dezember. Der bisherige Temperaturrekord für den letzten Tag des Jahres lag bei 17 Grad – gemessen 1961 im baden-württembergischen Müllheim.

„Ein Hoch über Mitteleuropa hat in diesem Jahr für die zweistelligen Plus-Temperaturen gesorgt“, erklärt Gerhard Müller vom Deutschen Wetterdienst in München. Dazu kam leichter Föhn. Frühlingswetter zum Jahreswechsel sei aber schon seit einigen Jahren keine Ausnahme mehr. Am 31. Dezember 2021 stellte München mit 15,6 Grad einen Rekord auf. Dieses Jahr zeigte das Thermometer mit 20,0 noch mal fast fünf Grad mehr an.

Schon ein paar Tage zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst Bilanz gezogen und festgestellt, dass 2022 ein außergewöhnliches Wetterjahr war. Die Jahresmitteltemperatur lag bei 10,5 Grad – so warm war es in Bayern nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Klimaforschern bereitet das Sorgen. 2022 war das zwölfte zu warme Jahr in Folge. „Die Erderwärmung schreitet nahezu ungebremst voran“, betont der DWD-Klima-Experte Tobias Fuchs. „Das Rekordjahr 2022 sollte für uns alle ein erneuter Ansporn sein, beim Klimaschutz endlich vom Reden zum Handeln zu kommen.“ 20 Grad an Silvester seien vor zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen, betont er. Eine solche Wetterlage würde im April Temperaturen von mehr als 30 Grad bedeuten und im Juni oder Juli mehr als 40 Grad.

Viele Menschen in Bayern haben die frühlingshaften Temperaturen zum Jahreswechsel dennoch genossen: beim Neujahrsspaziergang, beim ersten Kaffee in der Sonne, einige sogar beim traditionellen Neujahrsschwimmen in einem bayerischen Badesee – trotz eisiger Wassertemperaturen um die fünf Grad. Die nächsten Tage wird es wieder deutlich kühler werden, kündigt der Münchner Meteorologe Gerhard Müller an. Schon am heutigen Montag schiebt eine Kaltfront die ersten Wolken über den Freistaat. Die kommenden Tage kühlt es weiter ab. „Wir werden nur noch Temperaturen von maximal zehn Grad erreichen.“ Das ist zwar auch noch mild – aber etwas weniger rekordverdächtig für einen bayerischen Winter.  kwo/dpa

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