Stellt euch vor, wir haben Könige gesehen. Keine echten, aber sie sahen prächtig aus. Das kam so: Agnes, Klara und ich besuchten die Hühner, da kamen vier junge Zweibeiner angestapft mit Kleidern, die wir noch nie gesehen hatten: Mäntel in Rot und Türkis, Schultertücher und goldene Gürtel.
Einer der Zweibeiner war schwarz im Gesicht und trug ein Tuch um den Kopf gewickelt, zwei andere hatten auf ihren Mützen goldene Gebilde mit funkelnden Steinen, und einer trug einen Stab mit einem Stern. Die vier Kinder gingen zur Tür des Hauses. Als die Bäuerin öffnete, sangen sie ein Lied und malten etwas über die Tür. „Was machen die da?“, schnatterte Agnes. „Das sind die Heiligen Drei Könige“, gackerte es hinter uns. Benedicta, ein neues Huhn, das erst seit ein paar Wochen auf dem Hof lebte, war herbeigekommen. „Ich habe früher bei einem Pfarrer gewohnt“, gackerte sie, „deshalb kenne ich mich mit Kirchendingen aus.“ Benedicta erklärte, dass die Sternsinger Häuser besuchen und den Segen Gottes bringen. Als Zeichen dafür malen sie mit Kreide die Buchstaben „CMB“ über die Tür. „Die Buchstaben stehen für ,Christus mansionem benedicat’, das ist lateinisch und heißt ,Christus segne dieses Haus’.“ Eure Paula