In einer von mir durchaus geschätzten Fernsehsendung pflegt der Moderator seine Gäste nach Hobbys zu befragen. Ob sie irgendetwas ganz Besonderes machen, etwas Aufregendes oder Außergewöhnliches. Bei denen, die nicht mehr berufstätig sind, erkundigt er sich ebenfalls mit offensichtlichem Inte-resse, was sie in ihrer nunmehr reichlich vorhandenen Freizeit bevorzugt tun. Seine Lieblingsformulierungen sind: „Wie vertreibt ihr euch so die Zeit?“, wahlweise „wie bringt ihr sie rum?“. Ich meine mich zu erinnern, dass er sogar einmal fragte: „Wie schlagt ihr sie tot?“
Seine Gesprächspartner antworten gemeinhin so, dass man sich keine Sorgen um sie machen muss. Sie fah-ren Rad, betreuen die Enkel, verreisen in alle Welt, gärtnern, singen im Kirchenchor und engagieren sich in der Hospizbewegung oder anderswo ehrenamtlich. Da ist nichts zu hören von vertrödeln, vertändeln, vertun und vergeuden – oder von totschlagen, um die Zeit zu vertreiben, bis sie weg ist. Eher klingt es danach, als würden die Herr- und Frauschaften die „Zeit auskaufen“, wie es gut biblisch heißt. Sie nutzen jeden Moment ihres Lebens, um es zu genießen und etwas Vernünftiges damit anzustellen.
Wenn man sich irgendwas für dieses neue Jahr vornehmen sollte, dann genau das. Und zwar gleich in welchem Alter. Zeit ist das Kostbarste, was einem Menschen geschenkt ist – ihm selber und denen, mit denen er zusammenlebt. Wenn das Leben zu Ende geht oder wenn die gemeinsame Zeit vorbei ist, be-reut man jede Minute, die man verplempert hat. Umgekehrt ist alle Zeit, aus der man allein oder miteinander etwas Schönes, Gutes gemacht hat, ein Schatz, den einem niemand nehmen kann.
Zeit vertreiben? Besser nicht. Jede einzelne Minute und Stunde ist wertvoll und wird es mit den Jahren immer mehr – mehr als in den Lebensjahren, in denen man glaubte, man würde ewig leben. Es ist deswegen auch geistreich, die eigene Lebensgestaltung mal etwas genauer ins Visier zu nehmen und auszumisten. Nicht alles ist „quality time“, wie man heute sagt. Zeit, die wirklich Wert für einen selbst und andere hat.
Ein Gedicht von Theodor Fontane aus dem Jahr 1845 endet sehr weise: „Und sieh, es schleicht in unsern Sinn/ Ein banger, nie gekannter Geiz; Ein süßer Geiz, der Stunden zählt / Und jede prüft auf ihren Glanz, / O sorge, dass uns keine fehlt / Und gönn’ uns jede Stunde ganz.“ Das wäre die richtige Einstellung für dieses neue Jahr. Gepaart mit einem großen Schuss Barmherzigkeit, falls man doch hie und da ein wenig Zeit vertut…