Wandern statt wedeln

von Redaktion

VON CARINA ZIMNIOK

München – Thomas Hetteger, Chef der Jennerbahn am Königssee, hat Dienst am Dreikönigstag, und zwar auf der Bergstation. Am Morgen hat er sich in die Seilbahn gesetzt und ist auf 1800 Meter gefahren – dort hilft er mit, die Kundschaft zu versorgen. „Wir rechnen mit 500 bis 1000 Gästen“, sagt Hetteger. Wanderer, nicht Skifahrer. Die Pisten sind seit Donnerstag geschlossen. „Eigentlich haben wir jetzt Wandersaison, die Wege sind ja fast alle schneefrei.“

Wegen der außergewöhnlich milden Temperaturen und des damit verbundenen Schneemangels müssen Bayerns Skigebiete den Betrieb weiter einschränken. Das Skigebiet am Brauneck in Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) schloss am Donnerstagabend seine letzte bislang noch fahrbare Piste. Am wegen seiner Lage auf 1100 Meter Meereshöhe eigentlich als schneesicher geltenden Spitzingsee im Landkreis Miesbach waren am Freitag noch zwei der zehn Pisten geöffnet.

Dass ein Skigebiet im Januar den Betrieb komplett wieder einstellen muss, ist außergewöhnlich. Eine ähnliche Situation gab es zuletzt vor sieben Jahren, als sich der Saisonstart wegen ungewöhnlich hoher Temperaturen sehr verzögerte: „Weihnachten 2015 hatten wir tatsächlich nahezu das gleiche Phänomen“, sagt Antonia Asenstorfer, Sprecherin der vier „Alpen Plus“-Gebiete, zu denen sowohl das Brauneck als auch der Spitzingsee gehören. „Wir hatten damals in den Weihnachtsferien bei der Taubensteinbahn am Spitzingsee den Sommerbetrieb wieder aufgenommen.“ Diese Seilbahn ist sonst nur im Sommer in Betrieb.

Am Brauneck beschneien die Betreiber viele Pisten mit Kunstschnee. Doch sind die Temperaturen zu hoch, nützt auch eine Schneekanone nichts. Die Kunstschnee-Unterlage aus den kalten Dezembertagen ist in den vergangenen zwei Wochen dahingeschmolzen. Dabei hatte der Winter für die Bergbahnen im Dezember verheißungsvoll begonnen. „Wir hatten diesen Winter zunächst einen Traumstart mit Schnee und sehr kalten Temperaturen“, sagt Antonia Asenstorfer. „Dann hat das fast schon traditionelle Weihnachtstauwetter eingesetzt, das in diesem Jahr leider besonders ausgeprägt ist.“ Besser ist die Situation am Sudelfeld oberhalb von Bayrischzell, wo dank Kunstschnees für den Freitag 15 der 27 Pisten befahrbar gemeldet waren. Auch im Garmischer „Classic“-Skigebiet und am Nebelhorn in Oberstdorf läuft der Betrieb auf mehreren Pisten – auf der Zugspitze sowieso. Für das berühmte Hornschlittenrennen in Garmisch-Partenkirchen hat der vorbereitete Schnee gerade so gereicht. Zwar war die Abfahrt kürzer als sonst und der Belag wurde von Abfahrt zu Abfahrt weicher – aber die Freude darüber, dass das Rennen nach zwei Jahren Pause wieder stattfand, war groß.

Skifahrern und Seilbahnen bleibt die Hoffnung: „Für nächste Woche ist jedenfalls etwas Schnee vorhergesagt und sobald es die Temperaturen zulassen, werden wir nochmals zusätzlich beschneien“, sagt Antonia Asenstorfer. Auch am Jenner bereiten Thomas Hetteger und seine Mitarbeiter sich schon auf die zweite Beschneiungsrunde vor: „Wir bauen die Schneekanonen gerade wieder auf“, sagt er, die Speicherseen seien wieder voll.

Ein Blick auf die Wetterprognosen lässt die Hoffnung auf ein bayerisches Schneewunder allerdings schrumpfen. Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst sagt: „Die nächsten vier Wochen bleiben mild.“ Das schließe nicht aus, dass es auch mal schneit – die Frage ist aber, ob der Schnee dann auch liegen bleibt. „Im Moment sieht es nicht gut aus“, sagt der Meteorologe. Und: „Das ist ein Vorbote dessen, was uns angesichts des Klimawandels regelmäßig erwartet.“  (mit dpa)

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