Regensburg – Am Karsamstag 2011 musste Frieda Hoose wegen 130 Stangen Zigaretten sterben. Seit 30 Jahren hatte die 76-Jährige ihren Schreibwarenladen in Nürnberg geführt, auch an diesem Morgen stand sie hinterm Tresen. In einem Nachruf hieß es später, dass viele Kinder zu ihren Stammkunden gehörte, sie nannten sie „Oma Hoose“.
Wenige Monate bevor Frieda Hoose und ihr Mann Horst goldene Hochzeit gefeiert hätten, betrat Rachid Chouakri mit seinem Bruder den Laden. Sie schlugen, fesselten und erwürgten die 76-Jährige. Ihre Beute, die Zigaretten, fand die Polizei später in Chouakri Wohnung. Er flog auf, weil er selbst die Polizei gerufen hatte – Zeugen erkannten seine Stimme. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, sein Bruder, zur Tatzeit 16, bekam acht Jahre.
Der Fall schlägt jetzt wieder hohe Wellen, weil Rachid Chouakri seit Donnerstag auf der Flucht ist. Der heute 40-Jährige sitzt eigentlich in Straubing im Gefängnis, wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte stand er vor dem Amtsgericht Regensburg. In einer Prozesspause brachten Beamte den Gefangenen ohne Fesseln für ein vertrauliches Gespräch mit seinem Anwalt in das Zimmer. „Danach postierte sich ein Beamter vor dem Zimmer im Erdgeschoss, der zweite war auf dem Weg nach draußen, um vor dem Fenster Wache zu stehen“, sagte Polizeihauptkommissar Florian Beck. Diese Lücke nutzte Chouakri, um aus dem Fenster zu springen und davonzulaufen – im toten Winkel einer Überwachungskamera. „Er ist wahnsinnig schnell gerannt“, erinnert sich ein Augenzeuge. „Der Polizist folgte mit zehn Sekunden Abstand.“ Doch Chouakri schien sich in Luft aufgelöst zu haben.
Am Wochenende tauchten Bilder aus einer privaten Überwachungskamera auf –sie zeigen den Mörder am Donnerstag um 14.49 Uhr in einem Garten gegenüber des Schlosses von Fürstin Gloria. Offenbar hatte sich der Algerier dort über 40 Minuten versteckt – nur 400 Meter vom Justizgebäude entfernt. Eine Polizeihündin bestätigte die Spur. Damit die Jagdterrier-Hündin Witterung aufnehmen konnte, wurde die Bettdecke des Flüchtigen hergebracht. Doch am Busbahnhof endete die Spur. Stieg der Flüchtige in einen Bus? „Die Suche nach dem Geflohenen wurde international ausgeweitet“, sagte Polizeisprecher Beck. Trotz 125 Hinweisen gab es auch am Sonntag keine heiße Spur. Europaweit hängt das Bild des 1,76 Meter großen Mannes mit auffällig hoher Stirn nun in den Polizeidienststellen. Die Polizei warnt davor, den Mann anzusprechen – er sei gefährlich. caz/mm