NACHGEFRAGT

„Es muss Ruhe einkehren“

von Redaktion

Im Bayerischen Jagdverband tobt ein Führungsstreit. 20 der 162 Kreisgruppen fordern eine außerordentliche Landesversammlung und die Neuwahl des Präsidenten. Bisher ist CSU-Politiker Ernst Weidenbusch im Amt. Ein ehemaliger Partei-Kollege stellt sich gegen ihn zur Wahl. Ludwig Freiherr von Lerchenfeld saß von 2011 bis 2018 im Landtag und ist im oberfränkischen Landkreis Kulmbach nicht nur Jäger, sondern auch Waldbesitzer – im Amt will der 65-Jährige beide Blickwinkel nutzen.

Wieso sind Sie als Präsident die bessere Wahl?

Ich habe kein persönliches Problem mit Ernst Weidenbusch. Wir waren Kollegen im Landtag. Aber: Der BJV steht vor einer Zerreißprobe, es herrscht eine sehr negative Stimmung. Wir befinden uns in der größten Krise seit der Gründung 1949. Aus der möchte ich den BJV herausführen und endlich Ruhe einkehren lassen.

Wie wollen Sie das als Präsident schaffen?

Wir müssen es schaffen, wieder miteinander und nicht übereinander zu reden. Zuletzt war der Ton scharf, was auch über die Medien nach außen drang – das darf nicht sein. Ich bin ein Teamplayer, der auf Sachebene kommuniziert. Transparenz bedeutet für mich, Fachleute zu befragen und Entscheidungen auf dieser Basis zu treffen.

Welchen Kurs geben Sie vor?

Ich bin Jäger und Waldbesitzer und glaube an das Konzept Wald und Wild. Das Jagen habe ich in unserem Wald im oberfränkischen Heinersreuth von Kind auf erlebt. Ich beobachte Wild auch gerne nur und kümmere mich um Hege und Pflege. Es geht nicht nur um Beute machen. Daher sollten wir künftig auch andere Gruppen, wie Bauernverband, Waldbesitzerverband und Bund Naturschutz, in unsere Gremien einbeziehen.

Der Bauernverband fordert, den Schutzstatus des Wolfes zu senken. Ziehen Sie an einem Strang?

Nein, Arten wie Wolf, Biber und Kormoran gehören für mich nicht ins Jagdrecht. Würde etwa der Wolf dort aufgenommen, müsste die Jagdgenossenschaft für alle Wildschäden haften, die Wölfe verursacht haben.

Wofür stehen Sie noch ein?

Das Thema Rückkehr in den Bundesjagdverband ist ein Pulverfass. Aber wir sollten wieder eintreten, um dem BJV als größtem Landesverband wieder mehr Bedeutung zu verschaffen. Auch gegen das drohende Bleiverbot in Schrotmunition werde ich mich einsetzen.

Herr Weidenbusch erteilte am Freitag einer außerordentlichen Sitzung eine Absage. Sehen Sie es als Seitenhieb, dass er die mögliche Neuwahl bis zur nächsten ordentlichen Sitzung am 11. März hinauszögert?

Nein, aber es war die erste Äußerung zum Antrag und entspricht der Verzögerungstaktik, die der BJV verfolgt. Zehn Prozent der Ortsgruppen haben satzungsgemäß eine außerordentliche Sitzung gefordert. Die Sache liegt jetzt dem Amtsgericht vor. Ich könnte mir vorstellen, dass bald eine Einscheidung fällt. Wir hoffen, dass die Sitzung vor März stattfindet. Stimmen 50 Prozent dafür, gibt es eine Neuwahl. Ob noch weitere Kandidaten antreten, weiß ich nicht. Meinen Hut habe ich jetzt in den Ring geworfen und viel Unterstützung erfahren.

Interview: Cornelia Schramm

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