Neukirchen – Lucki Maurer gehört zu den Spitzenköchen des Landes. Mitten im Bayerischen Wald hat der 42-Jährige eine Wagyu-Rinderzucht auf ökologischer Basis aufgebaut – als Erster in Europa. Etliche Menschen pilgern dorthin, um im Stoi, dem ehemaligen Kuhstall, auf höchstem Niveau zu essen. Oder am Herd zu stehen. Denn jeden Monat gibt sich ein anderer Ausnahmekoch die Ehre in dem 400 Jahre alten Anwesen von Lucki Maurers Großeltern.
Er hat die Welt gesehen, für viele Prominente gekocht. Und er hat einen Bruder, der ebenfalls berühmt ist. Sepp Maurer ist Kraftsportler und mehrfacher Deutscher Meister und Europameister. Der 44-Jährige betreibt die Sportschule Kinema, in der sich Profis auf ihre Wettkämpfe vorbereiten. Und außerdem ein Hightech-Therapiezentrum, in dem er mit einem Team aus sechs Ärzten und 19 Physiotherapeuten und Osteopathen Spitzensportler aller Disziplinen betreut. Darunter sind Iron Man Andreas Aschenbrenner, Boxer Robin Krasniqi oder der Rallye-Weltmeister Walter Röhrl.
Während sein jüngerer Bruder Lucki im Fernsehen auf vielen Kanälen zu sehen ist, muss sich Sepp Maurer mit dem Nachtprogramm auf Eurosport zufriedengeben. Aber die beiden Brüder haben eines gemeinsam: Beide sind eine Art Fleischpapst. Der eine weiß, wie man Fleisch am Herd zubereitet, der andere, wie man Muskeln stählt. Und beide locken etliche Fans ins niederbayerische Nirgendwo, das sie selbst eher als den Nabel der Welt betrachten.
Aufgewachsen sind sie auf der Höllhöhe. Auf 750 Metern betreiben ihre Eltern das Hotel Waldschlößl bei Neukirchen Heilig Blut. „Das Hotel hat uns geprägt“, sagt Sepp Maurer. „Unsere Eltern haben viel gearbeitet und uns vorgelebt, dass man nur mit Leistung etwas erreichen kann. Die Gäste hatten immer Vorrang.“ Aber sie sorgten auch für die ersten Einkünfte der Brüder. Sie musizierten bei den Weihnachts- und Familienfeiern im Hotel an Keyboard und Bass. Schon damals kam Lucki Maurers anarchisches Wesen durch. „Er hat nie geübt“, erzählt Sepp Maurer. „Als er mal auf seiner Melodica Stille Nacht gespielt hat, war kein einziger Ton richtig, aber die Leute kamen mit Tränen in den Augen auf den Lucki zu und meinten, sie hätten noch nie jemanden erlebt, der so schön spielt.“ Er selbst habe immer nach Noten gespielt. Sepp Maurer lebt auch heute noch mit klaren Regeln und Plänen. Das muss er als Kraftsportler. Nach einer schweren Verletzung und inzwischen sogar einem künstlichen Knie, bringt er es im Kreuzheben schon wieder auf beinharte 300 Kilo, der Weltrekord mit einer Knieprothese liegt bei 287,5 Kilo.
Als Kinder auf der Höllhöhe waren die Brüder viel draußen unterwegs – auf Skiern oder BMX-Rädern. „Ich war immer bereit, für meine Ziele alles zu geben, genauso wie der Lucki“, erzählt Sepp Maurer. Vor Kurzem hat er seinen Bruder in Form gebracht. Während der Pandemie hat der Spitzenkoch mit einem Trainings- und Ernährungsplan 22 Kilo abgespeckt und jede Menge Muskeln draufgelegt. Seither startet er wieder ohne Rückenschmerzen in den Tag. „Die Gastronomie ist einfach ungesund“, sagt der 42-Jährige, der mit 15 seine Lehre angefangen hat. Sepps Diät-Plan für Lucki: kein Fett, kein Alkohol, kein Zucker. Sein großer Bruder sei sein bester Freund, sagt Lucki. Kein Blatt passt zwischen die beiden. „Wenn wir nicht so extrem wären, wären wir auch nicht so gut.“