Der Tag der Knochenbrüche

von Redaktion

Glatteis sorgt in Bayern für viele Verkehrsunfälle – sogar ein Dschungelkönig muss eingreifen

München – Das Blitzeis am Freitagmorgen hat Prince Damien zum Helden gemacht. Der Dschungelkönig der TV-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ aus dem Jahr 2020 war gerade in München mit der S-Bahn unterwegs, als er einen Unfall beobachtete: Ein Mann rutschte beim Aussteigen an der Donnersbergerbrücke zwischen Bahnsteig und Zug. „Ich sah, wie er zur Tür rausging, dann war er plötzlich verschwunden“, sagt der 32-Jährige, der in München wohnt. Der Mann hing fest – Prince Damien reagierte: „Ich habe die Chance ergriffen und ihm geholfen, wieder auf den Bahnsteig zu klettern.“ Offenbar half kein anderer Fahrgast. „Das war schon krass. Aber es ist halt so, in der Früh ist jeder mit sich selbst beschäftigt oder mit dem Handy.“

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Freitag in ganz Südbayern vor gefrierender Nässe gewarnt. Die gefährliche Kombination aus Regen und Temperaturen von um die drei Grad minus sorgte für viele Verkehrsunfälle. Schon Donnerstagabend war es so glatt, dass ein 23-Jähriger bei Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen) die Kontrolle über sein Auto verlor. Es überschlug sich, blieb neben einer Bahnstrecke liegen. Der junge Mann blieb unverletzt.

Ähnliches Glück hatten zwei Autofahrer Freitagfrüh bei einem Unfall im Kreis Weilheim-Schongau. Ein 18-Jähriger geriet mit seinem Auto auf der glatten Bundesstraße bei Hohenpeißenberg ins Schleudern und kollidierte auf der Gegenfahrbahn frontal mit dem Auto einer 37-Jährigen. Beide wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Schon zwei Stunden früher war es auf der gleichen Bundesstraße zu einem Unfall gekommen: Bei Ingenried kam ein 73-Jähriger mit seinem Sattelzug auf spiegelglatter Fahrbahn so ins Rutschen, dass dieser quer auf der Straße stehen blieb. Ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei konnte nicht mehr bremsen und rutschte in den Sattelzug.

Auch auf den Autobahnen war viel los: Die A 95 war Freitagfrüh zwischen Fürstenried und dem Dreieck Starnberg über eine Stunde lang gesperrt. Ein 55-Jähriger aus Bayreuth kam um zwei Uhr nachts mit seinem Porsche Cayenne samt Anhänger, auf den ein Mercedes Vito geladen war, so ins Rutschen, dass der Anhänger umkippte. Ein 60-jähriger Münchner konnte seinen Tesla nicht mehr stoppen und krachte in den Anhänger. Die Männer blieben unverletzt, 100 000 Euro beträgt der Schaden.

Lebensgefährlich verletzt wurde ein Ersthelfer in der Nacht auf Freitag auf der A 96 bei Igling im Kreis Landsberg. Mehrere Helfer eilten zu einem Unfall auf dem Standstreifen. Ein weiterer Autofahrer verlor dann die Kontrolle. Er erfasste die stehenden Autos der Helfer und einen von ihnen. Der 29-Jährige wurde über die Leitplanke geschleudert und musste notoperiert werden.

Wegen der vielen Unfälle hatten auch die Notaufnahmen viel zu tun. Laut Richard Krammer, chirurgischer Leiter der Notaufnahme in Schongau, kam es zu Stürzen auf spiegelglatten Gehwegen, die zu ausgeprägten Brüchen führten. Auch die Kreisklinik Wolfratshausen hielt die Wetterlage in Atem. Laut Geschäftsführer Ingo Kühn ist die Notaufnahme voll belegt: „Alle Ärzte der Klinik kümmern sich um die Glatteisopfer.“ Auch das LMU-Klinikum Großhadern erklärte: „Die Unfallchirurgie arbeitet auf Hochtouren.“ Wegen des Blitzeises mussten die Ärzte massiv mehr Patienten behandeln – mit verletzten Schultern sowie gebrochenen Sprunggelenken, Unterarmen und Hüften.

Eine weitere Folge des Blitzeises: Die Letzte Generation sagte am Freitag all ihre Kleber-Pläne ab. Auf Twitter schrieben sie: „Wegen spiegelglatter Straße haben wir den Blockadeplan abgesagt. Wir handeln verantwortungsbewusst und wollen keinesfalls Menschen in Gefahr bringen.“  sco/ast/gma/see/kof

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