Die Schürzen sind gelb, die Oberteile blau und die Jacken schwarz – die Narrenkostüme, die Andrea Peter näht, sind auf den ersten Blick zu erkennen. Sie werden „Häs“ genannt – das Wort bedeutet im Mittelhochdeutschen „Gewand“. In nächtelanger Feinarbeit näht die 46-Jährige aus Wengen im Allgäu rund 90 Stück, 50 davon für Kinder. Sie ist die Häswartin der Narrenzunft Burghexen Alttrauchburg – und darauf ist sie stolz. „Ich freue mich wahnsinnig, wenn ich das Ergebnis meiner Arbeit auf Narrenumzügen und Faschingsveranstaltungen sehe“, sagt sie. Seit 22 Jahren ist sie verantwortlich für das Outfit der Faschingsverrückten. „Früher habe ich mich im Fasching immer darüber geärgert, jedes Jahr ein neues originelles Kostüm finden zu müssen“, erzählt sie. Dann entstand die Häs – seitdem sind die Narren sofort zu erkennen. Rund 850 Euro kostet das Gewand inklusive handgeschnitzter Holzmaske. Alles wird sorgsam gehütet, gereinigt, ausgebessert und stolz getragen. Tradition bewahren ist wichtig für die Burghexen – auch für Andrea Peter. Am liebsten werkelt sie nachts an den Häsern. „Dann habe ich meine Ruhe.“ Meist beginnt sie mit ihrer Arbeit schon im Oktober. Als Wappentier muss die Ratte eingearbeitet werden, irgendwo sind auch immer Rosshaare verarbeitet.
Ein Vierteljahrhundert lang ist Andrea Peter schon Mitglied der Alttrauchburger Burghexen. „Als ich jünger war, bin ich praktisch von Heilig-Drei-König bis Aschermittwoch nicht mehr aus dem Häs rausgekommen, ich war immer unterwegs“, sagt sie und lacht ihr kehliges Lachen. Inzwischen ist ihr Fasching ein wenig ruhiger geworden. Sie näht schon den Allerkleinsten eine gelb-blau-schwarze Mini-Narren-Uniform, auch für die Leih-Kostüme ist sie zuständig. „Es macht einfach Riesenspaß, beim Fasching mittendrin dabei zu sein.“ Jahrelang war sie Hüttenwirtin, mal in der Schweiz auf 3000 Metern Höhe, mal am Grünten mitten im Allgäu. Das bedeutete Jungvieh hüten. Damals blieb ihr viel Zeit fürs Häs-Nähen. Im Fasching war sie dann auf bis zu 20 Narrenumzügen. Einmal sogar bei minus 21 Grad. „Damals hab ich meine Backen nicht mehr gespürt und bin hinterher nicht mehr aus der heißen Badewanne rausgekommen“, erinnert sie sich. LUTZ BÄUCKER