Schneechaos in Niederbayern

von Redaktion

Sturm und Neuschnee sorgen für Unfälle im Osten des Freistaates – DWD warnt vor Lawinen

München – Starker Schneefall und Sturmböen haben in Bayern zu zahlreichen Verkehrsunfällen geführt. Bis gestern Mittag berichtete die Polizei in Niederbayern von knapp 200 Einsätzen. Mehrere Bäume stürzten um. Viele Autos landeten in Gräben. So auch zwischen Landau und Eggenfelden: Auf der B20 gab es bis nachmittags massive Staus, weil mittags fünf defekte Lastwagen im Schnee stecken geblieben waren.

Im Kreis Passau standen bei Aicha mehrere Lastwagen auf schneebedeckter Fahrbahn quer und blockierten Auf- und Abfahrt der A3. Unfallschwerpunkt mit vielen Blechschäden war der Kreis Straubing-Bogen. „Autofahrer, die nicht im nördlichen Landkreis unterwegs sein müssen, sollten auf unnötige Fahrten verzichten“, teilte das Landratsamt mit. Zwei Schulen boten Schülern gestern an, wegen des Wetters daheim zu bleiben. Gestern Abend teilte das Kultusministerium dann mit, den Unterricht heute etwa in Freyung, Regen, Cham und dem Norden von Deggendorf und Straubing ausfallen zu lassen.

Die Glätte wurde auch einem BMW-Fahrer in Schierling im Kreis Regenburg zum Verhängnis: Er fuhr zu schnell, verlor die Kontrolle über sein Auto, das gegen einen Baum prallte und dann gegen einen weiteren Baum geschleudert wurde. Der Fahrer wurde leicht verletzt, sowie der des Lastwagens, der bei Neumarkt in der Oberpfalz von einer Bundesstraße in ein angrenzendes Feld rutschte und dort auf der Beifahrerseite zum Liegen kam.

Gestern warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) den zweiten Tag in Folge vor Sturmböen, Schneeverwehungen und kräftigem Schneefall im Osten Bayerns und in den Alpen. Für heute und das Wochenende sagen die Meteorologen intensive Dauer-Schneefälle in den Alpen und im Bayerischen Wald voraus. Bis Montag werden zwischen 60 und 80 Zentimeter Neuschnee erwartet, in Staulagen bis einen Meter.

Kombiniert mit dem Sturm aus Nordwest, könnte die Lawinengefahr in den Bergen stark ansteigen. „Hauptproblem ist der Triebschnee“, sagt Sebastian Altnau vom DWD. „Das ist frisch gefallener Pulverschnee, der durch den Wind verfrachtet wird, sich in Mulden und windabgewandten Hängen ablagert und keine gute Verbindung zur vorhandenen Schneedecke hat.“ Damit seien die Verhältnisse abseits gesicherter Pisten „sehr kritisch“.

Experten in Bayrischzell und Schliersee im Kreis Miesbach sehen die Wetterlage noch nicht als Problem. Liege die Null-Grad-Grenze weiter bei rund 1000 Metern, bestehe keine Gefahr, so Manfred Eckmair, der stellvertretende Obmann der Lawinenkommission Schliersee. „Wir haben Schneeverfrachtungen durch den starken Wind, der ab 1300 bis 1400 Meter Höhe mit 90 bis 100 Kilometer pro Stunde weht“, sagt er. Punktuell könne es so trotz geringer Schneemenge zu Gefahrstellen kommen. Sein Team aus 12 Ehrenamtlichen beachtet das aber genau.

Auch Ernst Wuttig, Obmann der Lawinenkommission Bayrischzell, will noch kein Vorhersage für das Wochenende treffen. Gestern konnte er keinen nennenswerten Schneezuwachs verzeichnen. Noch bleibt es am Sudelfeld also bei der Warnung vor Triebschnee. sco/nap

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