Bitteres Ende einer Traditionsbrauerei

von Redaktion

VON HANS MORITZ

Dorfen – Hiobsbotschaft für Dorfen im Landkreis Erding: Die traditionsreiche Brauerei Bachmayer stellt ihren Betrieb ein. Bier gibt es nur noch bis Ende April/Anfang Mai. Dies bestätigt Inhaber Josef Hörmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Es ist bitter, und es fühlt sich noch sehr irreal an“, gesteht der 59-Jährige. Doch die Geschäftsaufgabe sei für ihn ausweglos. „Die Rohstoffpreise, etwa für Malz und Hopfen, haben schon vor einem Jahr, also vor dem Ukraine-Krieg, stark angezogen. Hinzu kommen die deutlich gestiegenen Energiekosten. Und nicht zuletzt finden wir einfach keine Mitarbeiter“, erklärt der Inhaber, warum er sich zu dem schweren Schritt entschlossen habe. Er wurde von den Auswirkungen der Corona-Krise mit monatelangen Zwangsschließungen noch befeuert.

Immerhin gibt es die Brauerei seit 176 Jahren. Ihre Wurzeln reichen noch weiter zurück – ins Jahr 1649, als der „Drommerbräu“ erstmals erwähnt wurde. Der Name Bachmayer ist eng mit dem legendären Bierkrieg von 1910 verbunden, als es wegen einer Preiserhöhung – die Mass Bier kostete statt 24 auf einmal 26 Pfennige – zu einem regelrechten Volksaufstand kam.

Die Traditionswirtshäuser Jakobmayer und die Soafa gingen in Flammen auf. Josef Bachmayer wurde von der Masse bedrängt – und verkündete schließlich die Rücknahme der Erhöhung, was ihn bei den Bürgern zum Helden machte. Die Brauerei Bachmayer ist eine der letzten von einst sechs Sudstätten in der Isenstadt – neben dem 1928 gegründeten Bräu Z’Loh. In Dorfen braut bisher auch noch Bachmayer, seit über zehn Jahren erfolgt aber hier nur noch die Befüllung der Fässer. Die Flaschenabfüllung wurde an den Fischer-Bräu in Eitting ausgelagert.

Drei Beschäftigte hat die Brauerei heute noch. „Einer geht in Ruhestand, die anderen haben eine Kündigungsfrist bis zum Sommer“, erklärt Hörmann, der überzeugt ist, „dass sie bei einer anderen Brauerei etwas finden“. Fachpersonal sei gefragt. Bachmayer hat „mehrere tausend Hektoliter Bier“ – genaue Zahlen nennt die Brauerei nicht – im Jahr ausgestoßen und damit unter anderem eine „niedrige zweistellige Zahl“ an Gasthäusern beliefert, laut Hörmann vor allem im östlichen Landkreis Erding, aber auch im Raum Mühldorf.

Hörmann betont, dass man diese auch bis Betriebsschließung beliefern werde. Und er räumt mit Gerüchten auf, die eigenen Wirtshäuser würden brauereifrei. „Das stimmt nicht, sie gehören ja weiterhin uns.“ Man sei bereits in Verhandlungen mit anderen Brauereien, die die Lieferung übernehmen. Auch die Volksfestbetreiber müssen sich bis August eine neue Brauerei suchen.

Am Stammsitz am Marienplatz in der Dorfener Innenstadt ändert sich nach den Worten des Inhabers vorerst nichts. Seit Jahrzehnten befindet sich hier ein Einrichtungshaus, zudem die Verwaltung der Brauerei und deren Grundbesitzes sowie einige Wohnungen. „Das bleibt alles“, erklärt Hörmann. Die Brauerei im hinteren Bereich werde erst einmal stillgelegt. „Ich kümmere mich um die Verwaltung der Grundstücke und Gebäude.“

Hörmann macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Es ist schon brutal, dass es unser Bachmayer-Bier nicht mehr geben wird.“

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