Bahn frei für die Wissenschaftslinie

von Redaktion

Ab 2027 soll die U6 nach Martinsried im Kreis München fahren – gestern war Spatenstich

VON NICOLE KALENDA

Martinsried – Die Tunnelarbeiten können beginnen: Mit dem Spatenstich haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Verkehrsminister Christian Bernreiter und Wissenschaftsminister Markus Blume gestern den offiziellen Startschuss für die Verlängerung der U-Bahnlinie 6 vom Klinikum Großhadern nach Martinsried im Landkreis München gegeben. Sie schließt den Life-Science-Campus Martinsried mit den Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität und den Max-Planck-Instituten an das Münchner U-Bahnnetz an.

Das in offener Bauweise erstellte Bauwerk wird knapp einen Kilometer lang. 2027 soll die U6 erstmals in Martinsried halten. Dann wird sie den Campus der Technischen Universität in Garching im Norden der Landeshauptstadt mit dem Planegger Ortsteil Martinsried im Südwesten verbinden. „Es ist die kürzeste U-Bahn-Erweiterung, die wir seit Jahrzehnten haben, aber es ist eine besonders wichtige“, sagte Söder beim Ortstermin in Martinsried. Die Bedeutung des Projekts spiegelte sich in der großen Zahl der Gäste, knapp 200 versammelten sich auf dem künftigen Baufeld zwischen den Martinsrieder Universitätsinstituten und dem Innovations- und Gründerzentrum mit seinen Biotechnologie-Start-ups. „Mit dem Ausbau der Wissenschaftsachse machen wir einen großen Sprung in die Zukunft: Wir entwickeln den Standort und schaffen den Wohlstand und die Arbeitsplätze von morgen“, sagt der Ministerpräsident. Die Kosten belaufen sich zurzeit auf 212 Millionen Euro – plus fünf Millionen für die bereits fertiggestellte Park-&-Ride-Anlage.

Finanziert wird das Projekt partnerschaftlich von Bund, Freistaat, Landkreis München und der Gemeinde Planegg, wobei Bund und Land zusammen den Löwenanteil stemmen. Insgesamt steuert der Freistaat 77 Millionen Euro bei. Der Anteil der Gemeinde Planegg als Bauherrin liegt bei rund zehn Millionen Euro.

„Es ist ein besonderer Tag, wir leisten einen gewaltigen Beitrag für den Wissenschaftsstandort Bayern, die Entwicklung hier in Martinsried ist beispielgebend. Der Biotech-Standort gehört zu den Top drei in Europa“, sagte Wissenschaftsminister Markus Blume.

Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger erinnerte an die lange Vorgeschichte. Die ersten Gespräche zwischen der Gemeinde und dem Münchner U-Bahn-Referat hatten im Dezember 1991 stattgefunden. Ein erster städtebaulicher Vertrag mit dem Freistaat wurde 1998 unterzeichnet. Ab 2009 wurden die Verhandlungen intensiver, und im Oktober 2017 stimmte die Gemeinde schließlich den ausgehandelten Verträgen zu. Damals gingen optimistische Schätzungen von einer Inbetriebnahme 2022 aus. Den Beteiligten war bereits klar, dass sich die Kostenschätzung aus dem Jahr 2012 mit 73,5 Millionen Euro nicht würde halten lassen. Dass es nun fast dreimal so viel wird, liegt an der Fortentwicklung der Technik, bedingt durch strengere Vorgaben. Tunnelbauwerk und U-Bahnhof lassen sich nicht mehr mit den ursprünglichen Plänen vergleichen. Bürgermeister Nafziger sagt: „Was lange währt, wird wirklich gut.“

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