Im Jahr 2022 wurde die Wasserwacht Bayern zu rund 4000 Einsätzen gerufen, davon waren 801 medizinische Notfälle. Derzeit hat die Wasserwacht Bayern über 130 000 Mitglieder, davon 70 000 Aktive, die ehrenamtlich für Sicherheit an Flüssen und Seen sorgen. Thomas Huber aus Ebersberg ist Landesvorsitzender der Wasserwacht Bayern.
Wie ist die Wasserwacht vor 140 Jahren entstanden?
Beim Donau-Hochwasser am 7. Februar 1883 waren erstmals Helfer des Roten Kreuzes in die Hochwasserrettung eingebunden. Nach und nach gründeten sich dann überall zunächst sogenannte Sanitäts- und Wasserwehrkolonnen. Durch diese historische Katastrophe wurde die Notwendigkeit einer institutionellen Struktur für die Wasserrettung erkannt.
Wie hat sich die Wasserwacht seither verändert?
Sie hat sich stetig weiterentwickelt und ist moderner geworden. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Drohnen. die Menschen unter Wasser erkennen können. Oder die Geschlechteraufteilung: Früher waren es fast nur Männer, heute sind es etwa 40 Prozent Frauen. Seit dem Hochwasser in Dresden gibt es zudem Wasserrettungszüge, um Einsatzkräfte gezielter einsetzen zu können. Denn Stillstand ist im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz keine Option.
Wie sieht der Arbeitstag eines Wasserwachtlers aus?
Den klassischen Arbeitstag gibt es nicht. Die Hauptaufgabe ist der Wachdienst mit eventuell nötigen Einsätzen. Darüber hinaus stehen die Aus- und Fortbildung sowie die Prävention durch Schwimmkurse an.
Inwiefern verändern sich diese Aufgaben durch den Klimawandel?
Die Wettersituationen verschärfen sich und durch die extremen Starkregenfälle kommt es öfters zu Hochwasser. Früher wusste man ein, zwei Tage vorher, dass es zu Hochwasser kommen könnte. Jetzt müssen wir uns in Sachen Technik und Qualifikationen besser vorbereiten.
Immer weniger Leute können heutzutage schwimmen. Wie sehr beunruhigt sie das?
2019 wurden noch rund 12 200 Schwimmabzeichen abgenommen, im ersten Pandemiejahr 2020 waren es nur noch 2400. Dieser Rückgang von etwa 80 Prozent ist signifikant und erzeugt Aufholbedarf.
Vor welchen Herausforderungen steht die Wasserwacht in der Zukunft noch?
Wir wollen ein Bayerisches Wasserrettungszentrum zu errichten. Einen Ort dafür gibt es aber noch nicht.
Interview: Jonas Grundmann