Gott mit dir, du Land der BayWa, deutscher Dünger aus Phosphat, Über deinen weiten Fluren liegt Chemie von fruah bis spaat. Und so wachsen deine Rüben, so ernährest du die Sau. Herrgott, bleib dahoam im Himmi, mir hom Nitrophoskablau. Gott mit dir, du Land der BayWa.
Vielleicht wäre es ganz witzig gewesen, wenn beim pompösen Festakt zum 100-jährigen Bestehen der BayWa diese Woche in der Isarphilharmonie auch das Lied gespielt worden wäre, das den Agrarkonzern schlagartig in ganz Deutschland bekannt gemacht hat: das BayWa-Lied der Biermösl Blosn.
1979 waren Hans Well und seine Brüder Stofferl und Michael junge Hupfer, frech und unbekümmert. Da sie aus Günzlhofen stammten, einem Dorf im Landkreis Fürstenfeldbruck, war ihnen die BayWa wohl vertraut – die Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG, wie sie ausgeschrieben heißt. Die BayWa – die stand für Flurbereinigung und die Chemiekeule in der Landwirtschaft. Nitrophoskablau, ein Dünger, war der heimliche Helfershelfer der Landwirte. „Ich kann mich noch gut an die Säcke erinnern“, sagt Hans Well heute. Er ratschte mit einem Freund drüber, der bei der Konkurrenz, dem Raiffeisen-Verband, in Lohn und Brot stand. Und so kam die Idee, die BayWa aufs Korn zu nehmen. Well ersann einen kurzen Liedtext, der nach der Bayernhymne gespielt wird.
Erst gab es keinen Skandal. Die Leute klatschten freundlich, wenn die drei Brüder das Lied auf diversen Kleinkunstbühnen zum Besten gaben. „Niemand hat sich beschwert“, erinnert sich Well. Der große Krach kam erst am Silvestertag: Die Biermösls waren vom Bayerischen Fernsehen zur Aufzeichnung einer Kabarettsendung eingeladen worden. Sie sollte noch am selben Abend ausgestrahlt werden. Als Schlusspointe kam dann das BayWa-Lied.
Was dann passierte, hat Hans Well vor Jahren in seinem Buch „35 Jahre Biermösl Blosn“ geschildert. Hm, sagte der verantwortliche Redakteur. Total super das Lied. Wirklich grandios. Aber leider müsse er es rausschneiden. Warum, fragte Hans Well, der da noch nicht wusste, dass der Redakteur einst Pressesprecher der CSU gewesen war. Na ja, weil hinterher die Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß komme – und das gehe doch nicht. So ein blasphemischer Text mit einer „Verhunzung“ der Bayernhymne direkt vor Franz Josef.
Es ging noch etwas hin und her – der Redakteur telefonierte bis rauf zum Fernsehdirektor, den er im Skiurlaub erwischte –, aber dann blieb das Lied doch drin.
Der Eklat ließ nicht lange auf sich warten. Angeheizt durch einen Artikel in einer ultrakonservativen Regionalzeitung in Niederbayern wurde das BayWa-Lied bald Tagesgespräch. Der bayerische Bauernverbands-Präsident forderte den Rücktritt des BR-Intendanten. Zeitungen in ganz Deutschland druckten den Liedtext ab. Die Biermösl Blosn erhielt Berge von Fanpost – und auch einige Hetztiraden. Im heimischen Fürstenfeldbruck outete sich der CSU-Landrat Gottfried Grimm indes als großer Fan – er riet den Wells, sich ja nicht unterkriegen zu lassen.
Nur beim BR waren sie nicht mehr gut auf die Biermösl Blosn zu sprechen: stillschweigendes Auftrittsverbot. 15 Jahre lang. Im BR soll es eine CD gegeben haben, auf der stand „Nur gegen Rücksprache zu spielen“, sagt Hans Well. Dem Ruhm des Trios tat das keinen Abbruch. Denn nun holte sie Dieter Hildebrandt in den „Scheibenwischer“ in der ARD – was die Biermösl Blosn erst recht bekannt machte. Die Sendung wurde allerdings vom SFB (Sender Freies Berlin) verantwortet, nicht vom BR. DIRK WALTER