Starnberg/München – Im Prozess um den Dreifachmord von Starnberg haben die Vertreter der Nebenkläger plädiert. Größtenteils schlossen sie sich der Staatsanwaltschaft an.
Im Januar 2020 hatte ein heute 22-Jähriger aus Olching im Kreis Fürstenfeldbruck seinen Freund und dessen Eltern in einem Einfamilienhaus im Starnberger Norden erschossen. Ihm und einem 21-jährigen Mittäter wird seit nunmehr anderthalb Jahren vor dem Landgericht München II der Prozess gemacht.
Den Großteil der bislang 78 Verhandlungstage verfolgte auch eine Schwester der getöteten Mutter. Für sie war es am Freitag ein ganz besonders schwerer Tag, als sie im Prozess ihr Statement abgab und dabei mit den Tränen kämpfte. Dennoch zeigte sie die Größe, den ihr „so verhassten“ Angeklagten zu wünschen, dass die zu erwartende Haftstrafe sie zu Menschen macht, die nicht mehr solche schrecklichen Taten begehen.
Die Schwester las ein vorformuliertes Skript ab. Sie vermisse ihre Familie unendlich. Alle drei hätten Träume und eine Zukunft gehabt, berichtete die Frau mit brüchiger Stimme. Ihnen sei alles weggenommen worden. Immer wieder würden sich ihr Bilder der letzten Lebensminuten aufdrängen. „Ich habe eine unfassbare Wut auf die Täter“, sagte die Nebenklägerin. Doch sie riss sich zusammen. Die Angeklagten müssten ihre Taten reflektieren, sie psychisch aushalten. Das erfordere mehr Mut als die Tat selbst.
Über die Opfer erfuhr das Gericht eigentlich nichts. Die Schwester beschrieb sie mit keiner Silbe. Dafür hatte Staatsanwältin Julia Wiesenbauer am ersten Tag der Plädoyers ein wenig über die erschossene Familie gesprochen. Die beschrieb sie als typische Patchwork-Familie. Der 64-jährige Vater war Lichttechniker beim Bayerischen Rundfunk. Er hätte sich auf den bevorstehenden Ruhestand gefreut. Die 60-jährige Mutter arbeitete als Psychologin. Der gemeinsame Sohn, der eine Ausbildung zum Büchsenmacher durchlief, sei kein einfacher Mensch gewesen. Er hätte eine autistische Störung gehabt, Tiere grundlos gequält. Er sei aber sehr intelligent gewesen. Zur Familie zählten noch weitere Kinder, die beide Partner in die Ehe eingebracht hätten.
Während die Staatsanwaltschaft für beide Angeklagte 13 Jahre und sechs Monate Jugendstrafe forderte und den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung anordnete, sprach sich eine der Nebenklage-Anwältinnen für eine geringere Strafe gegen den Mittäter aus. Für ihn sah sie zehn Jahre Haft wegen seiner Mittäterschaft beim Dreifachmord und beim anschließenden Raubüberfall in Emmering als ausreichend. Er habe nicht maximale Gefühlslosigkeit gezeigt, begründete sie ihren Antrag. Laut Staatsanwaltschaft hatte der 21-Jährige seinen Spezl zum Tatort chauffiert, wohl wisssend, dass der Ältere den Freund erschießen wollte, um an dessen Waffen zu gelangen. Der 21-Jährige hat auf Anraten seiner Verteidiger im Prozess geschwiegen.
Das Verfahren wird jetzt für mehrere Wochen unterbrochen. Im März wird es dann mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. Ein Urteil fällt vermutlich erst Mitte nächsten Monats. ANGELA WALSER