Krün/Feldafing – Bernhard Sontheim hat sich über seinen vollen Sitzungssaal nicht gewundert. Auf der Tagesordnung des Feldafinger Gemeinderats stand das Thema Flüchtlingsunterbringung. Im Ort soll eine Container-Siedlung entstehen, in der bis zu 120 Menschen unterkommen können. Kaum wurden die Pläne bekannt, wurde Protest laut. „Einige Bürger ärgern sich über den Standort“, berichtet der Bürgermeister. Sie argumentieren, dass die Unterkunft im Landschaftsschutzgebiet geplant sei und drohten mit einem Bürgerbegehren. Sontheim nennt diese Bedenken scheinheilig. „Es geht eher darum, dass sie die Container nicht vor der Haustür haben wollen“, sagt er.
Das Bürgerbegehren konnte er inzwischen abwehren. Die Gemeinde am Starnberger See hat einen neuen Standort gefunden, der sogar zentraler und damit besser geeignet ist, sagt Sontheim. Die kritischen Stimmen in der Bevölkerung werden aber bleiben, da macht er sich nichts vor. „Aktuell höre ich keinen Protest gegen die geplante Unterkunft.“ Aber er weiß, dass viele Bürger sich Sorgen machen, wie die vielen Flüchtlinge die Gemeinde verändern werden.
Sontheim hat in dieser Hinsicht keine Bedenken. „Wir waren 2015 die erste Gemeinde, die mehr als 100 Flüchtlinge aufgenommen hat“, erzählt er. Die Helferkreise, die sich damals gebildet haben, gibt es heute noch. „Wir haben das damals gut hingekriegt, wir schaffen das auch jetzt“, sagt er. „Keine Gemeinde darf sich jetzt vor der Verantwortung drücken.“
Ähnlich sieht es Thomas Schwarzenberger (CSU). Er ist Bürgermeister im 2000-Einwohner-Dorf Krün im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Bisher leben dort nur 16 Flüchtlinge. Alle sind Ukrainer, alle sind in Privathaushalten untergekommen.
Bald werden deutlich mehr Menschen kommen. Auch in Krün wird eine Container-Siedlung entstehen, in die bis zu 50 Flüchtlinge einziehen können. Schwarzenberger ist überzeugt: „Das kann unsere Dorfgemeinschaft stemmen.“ Und bisher scheinen das die meisten Bürger ähnlich zu sehen. Krün hat allerdings nicht die Erfahrung, die Gemeinden wie Feldafing bereits gesammelt haben. Als 2015 so viele Menschen nach Bayern flüchteten, fand in Elmau der G7-Gipfel statt. Genau wie auch 2022. Beide Male wurde die Gemeinde deswegen bei der Flüchtlingszuteilung entlastet. „Inzwischen ist die Situation eine andere“, sagt Schwarzenberger. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“ Einen Helferkreis gibt es in Krün noch nicht. Aber der Bürgermeister ist von Grund auf Optimist, wie er betont. „Ich bin sicher, dass wir Bürger finden, die bei der Integration helfen wollen.“ Auch in den Kindergärten und Kitas gäbe es noch freie Plätze für geflüchtete Kinder. Trotz aller Zuversicht will aber auch Schwarzenberger nicht riskieren, dass die Stimmung in seiner Gemeinde kippt. Er will ein Aufklärungsschreiben an alle Haushalte schicken lassen und Informationen liefern, bevor Gerüchte entstehen. Außerdem plant er eine Info-Veranstaltung.
Bayern hat allein aus der Ukraine über 152 000 Flüchtlinge aufgenommen. In vielen Kommunen sind die Turnhallen zu Unterkünften umfunktioniert. Die Container sind keine idealen, aber bessere Lösungen als große Hallen, da sind sich viele Rathauschefs einig. Doch auch dort sind die Plätze begrenzt. Täglich kommen in Oberbayern im Schnitt 35 neue Flüchtlinge an, die auf die Kreise und Kommunen verteilt werden. Ukrainer sind in dieser Zahl nicht mitgerechnet. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger denkt bereits darüber nach, was passiert, wenn die 50 Containerplätze belegt sind und weitere Flüchtlinge kommen. „Dann wird’s kritisch“, glaubt er.