DAS PORTRÄT

Der Oldtimer-Sammler

von Redaktion

Die alten, motorisierten Schätze stehen auf einer Fläche von 280 Quadratmetern: Sepp Irlinger hat sich mit seinem Showroom einen ganz persönlichen Traum erfüllt. Er präsentiert dort Mercedes, NSU, Porsche und Co. „Heute schauen Autos alle gleich aus“, sagt der Sammler der Raritäten. Sepp Irlinger ist 74 Jahre alt. Der gelernte Mechaniker ist Autofan durch und durch. In der Halle stehen seine ganz persönlichen Highlights: Glückskäufe, Lebenswünsche, Seelenstreichler. Da ist zum Beispiel der Porsche Turbo. 42 Jahre alt. „Die schönste Form, die Porsche jemals schuf“, betont er stolz. Ein weiteres Schmuckstück seiner Sammlung ist der Mercedes 190 SL, Baujahr 1961, er hat 105 PS. Für Irlinger ist klar: die Karosserie ist unvergleichlich. „Das waren noch Autos“, schwärmt er.

Auf der Motorhaube eines der PS-starken Hingucker in der Halle hat Walter Röhrl unterschrieben. Der deutsche Rallyefahrer ist Irlingers Spezl. Sein Autogramm hat er auf einem Audi Sport Quattro S1 gesetzt, 600 PS stark – eine Replika des Originals, das Rennfahrer Röhrl 1985 in San Remo fuhr – und damit am Ende siegte. „Mein Sohn und ich haben das Auto über zwei Jahre lang gebaut“, erzählt er. Das Vorderteil stammt aus einem Audi 80, das Hinterteil aus einem Audi 80 Coupe Quattro. Vor der Glastür der Halle warten zwei junge Männer. „Dürfen wir mal schauen“, fragt der eine. Sepp Irlinger führt durch die Ausstellung. Den weißen VW Käfer in der Triple White Edition hat er aus den USA importiert, ebenso das 250 SE Cabriolet von Mercedes, Baujahr 1968. Als er es kaufte, war das Gefährt in schlechtem Zustand, ein Unfallschaden. „Wir mussten komplett entlacken.“ Das Oldtimer-Sammeln hat in den vergangenen Jahren weltweit an Fahrt aufgenommen. „Mittlerweile spielen Käufer aus China und dem Mittleren Osten eine große Rolle“, sagt Irlinger. Die Preise für Fahrzeuge gehen durch die Decke. Über den Wert seiner Sammlung spricht Sepp Irlinger nur ungern. „Ich hatte beim Kauf immer viel Glück“, sagt er. Außerdem hätten sein Sohn und er als Mechaniker einen entscheidenden Vorteil: Sie wüssten sich immer zu helfen. „Wir schrauben selbst.“

Alle Fahrzeuge im Ausstellungsraum sind angemeldet, haben ein Nummernschild und lassen sich auf der Straße bewegen. Dieses Jahr stehen in Berchtesgaden wieder die großen Oldtimer-Veranstaltungen an, das Rossfeld-Rennen und die Edelweiss Classics. „Ich würde gerne wieder mal mitfahren.“ Mit dem NSU würde er dann gerne auf die Strecke gehen, sofern er die Probleme am Motor bis dahin beheben kann. Mitzufahren und liegen zu bleiben: Eine solche Schmach möchte er nicht erleben.

Zu jedem Oldtimer hat Irlinger etwas zu berichten, an den meisten Fahrzeugen hat er selbst mal geschraubt. Die Ausstellung sei klein, aber fein. Und obwohl er sich schon so manchen Traum erfüllt hat, heißt es für den 74-Jährigen nicht, mit dem Sammeln aufzuhören. „Ein BMW würde mir noch fehlen“, sagt er. KILIAN PFEIFFER

Artikel 1 von 11