München – Eins schickt der Vater vorweg: Die Lehrerin sei fachlich-didaktisch „eine super Lehrkraft“, das wolle er betonen. Doch „mangelnde Sensibilität“ müsse er ihr in diesem Fall schon vorhalten. Der Fall ist folgender: Die Lehrerin, die an einer Grundschule in München-Haidhauen unterrichtet, hat die Eltern ihrer 4. Klasse via E-Mail informiert, dass sie mit den Kindern zur Demo geht. „Wie bereits mit den Kindern besprochen wollen wir diesen Freitag zur fridays4future Demo an den Odeonsplatz fahren“, heißt es wörtlich in der Mail. „Wenn Ihr Kind nicht mit auf die Exkursion möchte, teilen Sie mir das bitte auch mit.“ Dann müsse das Kind in der Schule bleiben.
Eine Demo-Teilnahme deklariert als „Exkursion“? Das gehe zu weit, findet der Vater einer Viertklässlerin. Er möchte anonym bleiben, um Nachteile für sein Kind zu vermeiden. Fridays for Future sei „eindeutig eine politische Initiative. Und als Lehrer hat man die Neutralität zu wahren“.
Das Kultusministerium gibt dem Mann Recht: „Eine Teilnahme an der Veranstaltung Fridays for Future kann nicht im Rahmen eines Schulgangs erfolgen“, erklärt ein Pressesprecher. „Es handelt sich um eine politische Kundgebung. Politische Kundgebungen sind im schulischen Bereich nicht erlaubt – unabhängig vom verfolgten politischen Ziel.“
Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), sieht das im Prinzip ähnlich. Ausnahme: Wenn die Lehrerin mit ihren Schülern die Demo nur „besichtigen“ wolle und ganz am Rande bleibe, ohne Teil der Menschenmenge zu werden – um den Kindern also zu zeigen, was eine Demonstration überhaupt ist –, sei das in Ordnung. Jedoch „sich aktiv zu beteiligen, sehe ich schon kritisch“, sagt die BLLV-Vorsitzende.
Bei Fridays for Future ist man lockerer. Zur Demo am Odeonsplatz, die auch von Naturschutzverbänden wie dem Landesbund für Vogelschutz unterstützt wird, werden 4000 bis 8000 Teilnehmer erwartet. Sie ist schon um 12 Uhr angesetzt, nicht wie sonst um 14 Uhr. Da die wenigsten Schüler so früh aus haben, sind wohl Schulschwänzungen einkalkuliert. Das sei eine „unterschwellige Art von zivilem Ungehorsam“, sagt eine Sprecherin. Nicht ganz so entspannt sind die Schulleiter. „Bis jetzt ist noch nichts durchgedrungen“, sagt Boris Hackl, Direktor des Gymnasiums Gröbenzell im Kreis Fürstenfeldbruck, auf die Frage, ob auch Schüler seiner Schule teilnehmen werden. Ein Fehlen würde aber die Schule „nicht hinnehmen“ und wie in der Vergangenheit mit milden Gegenmaßnahmen reagieren. Fehlzeiten könnten etwa nachgearbeitet werden. Offizielle Befreiungen sind für Friday for Future jedenfalls nicht möglich, stellt auch das Kultusministerium klar.
Die Viertklässlerin der Münchner Grundschule wird der Demo fernbleiben müssen. „Meine Tochter wird an der Exkursion sicher nicht teilnehmen“, sagt ihr Vater.
Bis zu 8000 Teilnehmer